Von Ernst Krüger

Die Verhandlungen zwischen, den Vereinigten Staaten und Pakistan über ein Waffenhilfsabkommen haben in Asien heftige Reaktionen hervorgerufen. Der Genugtuung, die man in Pakistan empfindet, steht nicht nur der erbitterte Widerstand Indiens entgegen, dem sich die Sowjetunion, China und Afghanistan angeschlossen haben, sondern auch die Beunruhigung einer Reihe anderer Länder in Süd- und Südost-Asien. Sie hat ihren Ausdruck in dem Vorschlag des Ministerpräsidenten von Ceylon, Sir John Kotelawala, gefunden: die Ministerpräsidenten von Indien, Pakistan, Burma, Indonesien und Ceylon sollten auf einer Konferenz alle mit der Erhaltung des Weltfriedens zusammenhängenden Probleme ihrer Länder erörtern. Der indische Ministerpräsident Nehru hat im Parlament erklärt: "Wenn Pakistan militärische Hilfe durch amerikanische Waffenlieferungen und Militärmissionen erhält, wird das ganze Land zu einem einzigen großen Stützpunkt, der für Zwecke eingesetzt werden kann, die von anderen Ländern und anderen Völkern bestimmt werden."

Die von Washington ausgehende Initiative für eine militärische Zusammenarbeit mit Pakistan entwickelte sich aus der Erkenntnis, daß die von den Vereinigten Staaten und England seit langem geplante Verteidigungsorganisation des Mittleren Ostens mit Hilfe Ägyptens und der übrigen arabischen Länder wegen der britisch-ägyptischen Differenzen über die Suezkanalzone und wegen der arabisch-israelischen Feindschaft nicht zu verwirklichen ist. Durch die Annäherung an Pakistan wollen die Amerikaner diese Schwierigkeiten umgehen und eine Verlängerung der in der Türkei endenden Nato-Front erreichen. Die Voraussetzung dafür war in dem Augenblick gegeben, als im Iran die Regierung Mossadegh gestürzt und durch seinen Nachfolger Zahedi die Wiederherstellung der iranisch-amerikanischen Zusammenarbeit ermöglicht wurde.

Das Pentagon hat die militärischen Vorteile einer Einbeziehung Pakistans in die westliche Verteidigungsfront offenbar als so überragend geschildert, daß ihnen gegenüber die politischen Folgen keine Berücksichtigung fanden. Zu den militärischen Vorteilen gehört neben der Erweiterung der westlichen Front bis an die Grenze Burmas in erster Linie die Möglichkeit, von pakistanischem Gebiet aus sowjetische Industriezentren in den süd- und zentralasiatischen Sowjetrepubliken sowie die in der chinesischen Provinz Sinkiang sich entwickelnden Industriegebiete in wesentlich kürzeren Anflügen zu erreichen. An der Erschließung dieser an Bodenschätzen reichen chinesischen Provinz sind die Sowjets maßgebend beteiligt.

Unter Berücksichtigung dieser Zusammenhänge wird verständlich, daß Peking sich in einer Note an Karatschi der Protestaktion Moskaus anschloß. Auch Afghanistan erhob Einspruch gegen die amerikanisch-pakistanischen Verhandlungen und forderte außerdem in einer Note an England die Revision des britisch-afghanistanischen Vertrages von 1921. In diesem Vertrage war als Grenze zwischen der damaligen "Nordwest-Provinz" Britisch-Indiens und Afghanistan die sogenannte Durand-Linie festgelegt worden, die auch jetzt noch die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan bildet. Auch in dem zwischen Indien und Pakistan seit sechs Jahren bestehenden Streit um Kaschmir ist durch die amerikanisch-pakistanischen Verhandlungen eine Verschärfung eingetreten. Die Konferenz von Vertretern Pakistans und Indiens, auf der über eine Volksabstimmung in Kaschmir verhandelt wurde, ist ergebnislos abgebrochen worden.

Was die indische Regierung besonders beunruhigt, ist die Tatsache, daß eine amerikanische Aufrüstung der beiden Teile Pakistans eine militärische Bedrohung Indiens aus dem Westen und Osten bedeuten könnte. Diesen militärischen Druck von zwei Seiten müßte Indien durch eine Verstärkung seiner Wehrmacht auszugleichen suchen, die auf Kosten der wirtschaftlichen Pläne möglich wäre. Ein sozialer Rückschritt würde aber eine Stärkung des Kommunismus mit sich bringen, der ohnehin in einigen indischen Staaten über eine beunruhigend große Anhängerschaft verfügt.