DIE ZEIT

Vorbilder für Auriol

Ehe der Staatspräsident der Philippinen, Elpidio Quirino, zum Ende des Jahres das höchste Amt der Republik seinem Nachfolger übergab, hat er, als letzte Amtshandlung, 52 zum Tode verurteilte japanische Kriegsverbrecher, die er im Juli 1953 zu lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt hatte, freigelassen.

Zehn Richter korrigieren die deutsche Geschichte

Kann man aus einer Nation austreten? Oder auch nur den geschichtlichen Zusammenhang zerreißen, in dem die Nation sich in der Form des Staates durch die Jahrhunderte darstellt? So möchte man fragen, wenn man das Urteil liest, mit dem das Bundesverfassungsgericht einen Block von Verfassungsbeschwerden sogenannter 131er zurückgewiesen hat.

10 Millionen DM fehlen

Die Krise, in der sich die deutsche Sozialversicherung befindet und über deren Beendigung durch eine umfassende Reform seit langem geredet wird, ist jetzt in drastischer Weise offenbar geworden.

Bundesminister Robert Tillmanns

Zu den Fluggästen, die allwöchentlich, bisweilen auch zweimal in der Woche, zwischen Berlin-Tempelhof und Bonn-Wahn im Flugzeug hin und her pendeln, gehört neben dem massiven Berliner SPD-Vorsitzenden Franz Neumann auch ein beinahe unscheinbarer, kleiner, sehr quecksilbriger Mann: Robert Tillmanns.

Was sonst noch geschah

Seit den Innsbrucker Demonstrationen für eine Volksabstimmung in Südtirol sind die Meinungsverschiedenheiten zwischen den italienischen und deutschsprachigen Mitgliedern des Landschaftsrates Trient-Oberetsch in der Frage einer Autonomie Südtirols immer schärfer geworden.

Weiß und Schwarz in Afrika

In dem jungen zentralafrikanischen Bundesstaat, der durch den Zusammenschluß von Süd- und Nordrhodesien und Njassaland im September 1953 gegründet worden ist, haben Mitte Dezember die Wahlen für die erste gesetzgebende Versammlung stattgefunden.

ZEITSPIEGEL

"Einen Nationalhelden" hat eine tschechoslowakische Monatsschrift den tschechischen Piloten Wolf in ihrer Dezember-Nummer genannt.

Blanks Fragebogen

Das Amt Blank versendet seit einiger Zeit an Personen, die sich um Posten in dem zukünftigen deutschen Verteidigungskontingent beworben haben, Fragebogen.

In Bayern droht die Wahl

Für Bayern ist 1954 Wahljahr. Am deutlichsten merkte man dies kürzlich, als Bundesfinanzminister Schäffer in der Frage der Weihnichtsvergütung das Bundesgericht anrufen, ja, Bayern mit dem Bundeszwang drohen mußte.

Es sind noch 230 Professoren

Die ZEIT hatte (in Nummer 44) sich mit den anno 1945 vom Amt suspendierten und bisher nicht wieder eingegliederten Hochschullehrern beschäftigt.

Viel Theatralik und Politik

Ein Haiti-Cocktail wurde gereicht im Hamburger Hotel "Atlantik" am ersten Januar. Denn es sind genau 150 Jahre, seit es den schwarzen Sklaven gelang, das Joch der französischen Kolonialherrschaft auf der westindischen Insel, die damals noch Saint Domingue hieß, abzuschütteln.

Ein Stich ins Wespennest

Die Verhandlungen zwischen, den Vereinigten Staaten und Pakistan über ein Waffenhilfsabkommen haben in Asien heftige Reaktionen hervorgerufen.

Stumm bleibt stumm

Die märkische Margarinefabrik ist eine respektable Firma, und ihr Chef, Direktor Oberjat, galt als eine honorige Persönlichkeit in Westberlin, bis ihn Ende November der Untersuchungsrichter Luther persönlich zu sich bat und verhaften ließ.

Die Doppelfront Luthers

Die Frage, ob religiöser Glaube ohne Fürwahrhalten der von seiner Überlieferung behaupteten realen Begebenheiten und Sachverhalte möglich sei oder nicht, ist der eigentliche Kern eines Theologenstreites, der die protestantische Welt zur Zeit lebhaft beschäftigt.

Vergessenes Jubiläum

An der Schwelle des neuen Jahres ist eine Unterlassung zu korrigieren: man hat es versäumt, daran zu erinnern, daß einhundert und fünfzig Jahre seit dem Beschluß der vom Reichstag zu Regensburg eingesetzten Friedensdeputation vergangen sind.

Zu wenig in der Hand

Es fällt mir nicht ein, meine Karten aufzudecken. Meine Aufgabe ist nicht, mich selbst philosophisch auszubeuten", erklärt Friedrich Dürrenmatt in seiner Komödie "Ein Engel kommt nach Babylon", die an den Münchner Kammerspielen unter Hans Schweikart ihre Uraufführung erlebte.

Die Zeitung von überübermorgen

"Ja", sagte der Schaffner der Linie 2a, als wir in einer Verkehrsstockung festsaßen. "Ich werde den Schreck nie vergessen, den ich vor genau vier Jahren in einer gleichen Verkehrsstockung erlitt.

Traktat über die Einfalt

Wenn Sie mich anhören wollen", sagte der alte, bucklige Totengräber, "kann es mein Schaden nicht sein. Nicht einmal mit Auszeichnung unwürdig, wurde ich schon früh die Pechhand genannt.

Molières Wiederkehr

Jean Vilars und seines "Théâtre National Populaire" größter Wurf in dieser Spielzeit ist Molières "Don Juan". Diese seit Jahrhunderten umstrittene und darum höchst selten gespielte "Komödie" dürfte nach Vilars Interpretation künftig aus dem klassischen Bestand des Theaters nicht mehr wegzudenken sein.

Geschichte ist weiblich

Es ist schon keine Weisheit mehr, daß Geschichte "gemacht" wird. Aber seltsamerweise wird sie meistens zweimal gemacht. Zuerst durch Ereignisse und Unternehmungen, danach durch die Historiker, die nicht immer dem wirklichen Geschehen die Ehre geben oder auch Irrtümern unterworfen sind.

Liebeserklärung an den Teufel

E. M. Ciorans, eines rumänischen Priestersohnes, Gott und die Welt lästernde Lehre vom Zerfall (Rowohlt, Hamburg) gehört zu den wenigen erbaulichen Lektüren unserer Super – Zukunfts-Gegenwart, wo man, um an ihr nicht irre zu werden, die Wahl hat, sich psychoanalysieren, in Überschallgeschwindigkeit atomisieren zu lassen – oder gänzlich zu verameisen.

Klassiker ganz ohne Staub

Daß manche Literaturhistoriker das Wort "Klassisch" nur für eine bestimmte Blüteperiode der deutschen Dichtung zugelassen haben, ist bedenklich.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Sie suchten Adam

Alles hat seine Vorgeschichte, auch die Vorgeschichte. Bis es gelang, über die frühen Stufen des Menschen so viel zu ermitteln, wie die heutige Wissenschaft der Ur- und Vorgeschichte weiß, mußten abenteuerliche Zufälle, Ahnungen, Irrtümer, Entdeckungen der mannigfachsten Art aufeinanderfolgen – eine Kette, die fast ebenso wunderbar ist wie jene Kette, die zur Entstehung und Ausbildung des Lebewesens Mensch geführt hat.

Bayern: Koche mit Mist

Daß der Mist das Gold des Landwirts ist und seine Äcker fruchtbar macht, wußte man seit je. Daß er aber auch seine Kraftwerke treiben kann, ist eine neuere Entdeckung der Wissenschaft, und wie das zugeht, kann man auf einer modern geleiteten Domäne in Niedersachsen und auf einigen ähnlich großen Gütern des Bundesgebietes in Augenschein nehmen.

Niedersachsen: Als sie heimkehrten...

Die letzten Achthundert kamen, in kleinen Gruppen, zu Fuß über die Zonengrenze von Wartha in Herleshausen an. Die Autobusse waren noch nicht wieder aus Friedland zurückgewesen, als es auf Mitternacht ging.

Brandenburg: Das ist Stalinstadt

Von der Decke herab baumelt das Modell eines Breslauer Mastkahns: Symbol einer vergangenen, glücklicheren Zeit. Einer Zeit, da noch Schiffseigner, Heizer, Steuermänner und all die anderen Fahrensleute der christlichen Binnenschifffahrt hier an der Theke im "Goldenen Anker" gestanden hatten.

Chemie in Zahlen

Soweit die bisher verfügbaren Unterlagen Schätzungen über das Jahresergebnis der chemischen Industrie im Jahre 1953 erlauben, wird sich ihr Umsatz auf etwa 10,75 Mrd.

Rätsel-Zahlen

Wieviel Einwohner hat eigentlich die Bundesrepublik? – Wir stellen die Frage nicht von ungefähr: kein Geringerer als der Herr Bundesfinanzminister veranlaßt uns, zur Lösung dieses Rätsels aufzurufen.

Höherer Siemens-Umsatz

Nach dem Verkaufsangebot für die 100 Mill. DM Siemens-Anleihe haben die Siemens & Halske AG und die Siemens-Schuckertwerke AG im Geschäftsjahr 1952/53 einen Umsatz von rund 1,3 Mrd.

Araber suchen Anlehnung

Im arabischen Raum werden die Stimmen immer lauter, die eine stärkere wirtschaftliche Bindung zu Deutschland suchen und eine Einbeziehung der deutschen wirtschaftlichen und technischen Kräfte in die Entwicklungsbestrebungen fordern.

Sonderbewegungen in Ostpapieren

Auch in den letzten Tagen des vergangenen Jahres gab es an den Börsen einen kleinen Schlußgalopp, von dem in erster Linie in Erwartung günstiger Ergebnisse der Berliner Vierer-Konferenz die sogenannten Ostwerte betroffen wurden, d.

Ohne soziale Härten

Zum Jahresende hat die Bank deutscher Länder neue Bestimmungen für den Transfer von Kapitalerträgnissen getroffen. Praktisch sind jetzt nur noch Sperrmarkguthaben und Sperrmarkerträgnisse vom Transfer ausgeschlossen.

1953 schlechtes Frachtenjahr

Nach der Hochkonjunktur der Seeschiffahrt In der Zeit von Anfang 1951 bis Mitte 1952, in der jede Schiffsreise mit einem kräftigen Überschuß abschloß, begann für die Trampschiffahrt eine Periode des Niederganges, von der später auch die Tankschiffahrt und die Linienfahrt erfaßt wurden.

Graue Zinsen vor dem Ehrengericht

In der Bankenwelt bestand schon immer Obereinstimmung darüber, daß sie nur einen temperierten Wettbewerb verträgt. Wird die Konkurrenz zu scharf, so daß es darüber zu Zusammenbrüchen kommt, dann verlieren nämlich nicht nur die Einleger des betroffenen Instituts Geld, sondern alle Banken der gleichen Gruppe auch das Vertrauen des Publikums.

"Bester Partner"

In der in Kairo erscheinenden Tageszeitung "Al Zamane" erschien kürzlich ein umfangreicher Beitrag, der der Tätigkeit der Deutsch-Ägyptischen Handelskammer in Kairo hohe Anerkennung zollte.

Flug in tote Maya-Städte

Während eines halben Jahres hatten wir – mein holländischer Kollege Jan und ich – im Rahmen einer technischen UNO-Mission kreuz und quer das tropische Honduras durchreist.

Centurio reist nach Kolumbien

Unlängst wurde der Trakehner schwarze Hengst "Centurio" auf dem Dampfer Düsseldorf in Hamburg nach Buenaventura-Kolumbien verladen.

SPORT DER ZEIT: Unsere alte Bitte

Es ist eine liebe Gewohnheit, in den Tagen der Jahreswende sowohl Rückschau zu halten, als auch Pläne zu schmieden für die Zeit, die nun vor uns liegt.

Der Fernsehjargon

Mit jedem neuen Fach entsteht eine neue Fachspräche. Nicht nur technisch interessant, sondern auch sprachlich amüsant ist ein Besuch im Fernsehstudio, wie Gerhard Eckert und Karl Tetzner ihn in ihrem Buch "Fernsehen ohne Geheimnisse" (Francis-Verlag, München) aufgezeichnet haben.

Funk für Anspruchsvolle

Verlangt der Hörer, daß eine Sendung "funkisch" ist? Er will vor allem, daß sie ihn interessiert. Sobald die Technik seine Aufmerksamkeit allzu stark in Anspruch nimmt, lenkt sie ihn auch ab.

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