Z. München

Daß der Mist das Gold des Landwirts ist und seine Äcker fruchtbar macht, wußte man seit je. Daß er aber auch seine Kraftwerke treiben kann, ist eine neuere Entdeckung der Wissenschaft, und wie das zugeht, kann man auf einer modern geleiteten Domäne in Niedersachsen und auf einigen ähnlich großen Gütern des Bundesgebietes in Augenschein nehmen. In Bayern hat Ulrich Philipp Graf Arco-Zinneberg auf seinem Gut Moos bei Osterhofen eine Anlage zur Mist-Vergasung errichten lassen, und viele Landwirte kommen, das Wunder zu betrachten.

Da ist denn das erste, was einem auffällt, daß der Misthaufen, der auch hier früher stolzer Mittelpunkt war, verschwunden ist. Er pflegte stattlich zu sein, denn 120 Stück Vieh produzieren immerhin vier Tonnen Mist im Tag. Diese vier Tonnen werden nun jetzt, kaum daß sie zutage treten, durch unterirdische Kanäle erst in einen Mischbehälter zur mechanischen Behandlung, dann in zwei hohe Kessel zum Gären und Faulen geleitet, wobei eben jenes Methangas entweicht, das dem benzinlosen Autofahrer der Kriegs- und Nachkriegszeit gewiß in rühmlicher Erinnerung ist. 300 Kubikmeter entstehen hier täglich, die man in einem Gaskessel mitten auf dem Gutshof speichert.

Damit kann man allerlei machen. Man kann das Gas mit Niederdruck zum Kochen und Heizen nehmen, oder als Hochdruckgas zum Betrieb der Trecker. Man kann auch vermittels Gasmotor und Dynamo elektrischen Strom erzeugen, und das tut man in Moos. Man rechnet, daß man im Jahr 150 000 Kwh gewinnen wird, genug, um das Gut und noch zwei andere Dörfer mit Strom zu versorgen, und darauf stützt sich die Kalkulation, daß die hohen Anlagekosten von etwa 130 000 DM, die nur durch einen sechsjährigen ERP-Kredit aufgebracht werden konnten, sich bezahlt machen werden.

Was das schönste ist: der in diesem "Biologischen Humus- und Gaswerk" traktierte Mist wird durch die Behandlung nicht ärmer, sondern besser! Der Stickstoff und die übrigen humusbildenden Stoffe werden gründlicher konserviert, die Jauche rationeller verwertet und eine geregelte Vorratswirtschaft des natürlichen Düngers ermöglicht. Dazu geht vom Stall bis zum Felde alles mechanisch.

Kein Wunder, daß nicht nur der persönliche Referent des bayerischen Landwirtschaftsministers, Oberregierungsrat Vilgertshofer, sondern dazu tausend Bauern aus der Umgebung kamen, um das Wunderwerk zu bestaunen. Sie werden sich allerdings zusammentun müssen, wenn sie dem Beispiel von Moos folgen wollen, denn unter fünfzig Stück Großvieh ist die Anlage nicht rentabel. Dann jedoch ergeben sich eindrucksvolle Perspektiven, wenn man bedenkt, daß im Bundesgebiet jährlich 110 Millionen Kubikmeter Mist erzeugt werden! Und noch eine Annehmlichkeit wird sich dabei ergeben: Die Menschen auf dem Land werden sich, wenn man überzeugt sein darf, in Zukunft wohler fühlen, wenn der Dunghaufen von ihrem Hof. verschwindet.