Wieviel Einwohner hat eigentlich die Bundesrepublik? – Wir stellen die Frage nicht von ungefähr: kein Geringerer als der Herr Bundesfinanzminister veranlaßt uns, zur Lösung dieses Rätsels aufzurufen. Zwar spricht er davon (in einem sehr schönen Artikel nämlich, der in der Silvesterausgabe des "Industrie-Kurier" erschienen ist), daß jetzt im Bundesgebiet knapp 50 Millionen Menschen leben. Dann aber fährt er fort:

"...gibt es gegenwärtig allein 17,4 Millionen Menschen, die auf ein ‚Sozialeinkommen‘ aus öffentlichen Mitteln angewiesen sind... Die im Wirtschaftsleben gegenwärtig tätigen 22,6 Millionen Erwerbspersonen müssen deshalb die Sozialrentner aus ihren Einkommen mit unterhalten. Jeweils vier Erwerbspersonen bezahlen den Lebensunterhalt von drei Sozialrentenempfängern!"

Das ist, zum mindesten, mißverständlich. Der unbefangene Leser wird, bei dem Versuch, sich selber ein Bild zu machen, unwillkürlich addieren: 22,6 plus 17,4 Millionen ergibt genau 40 Millionen – fehlen also an der Gesamtzahl von 50 Millionen Einwohnern rund 10 Millionen... und wer sorgt für deren Lebensunterhalt? Sorgen die für sich selber (ohne Erwerbspersonen zu sein...) oder müssen sie zusätzlich noch von jenen 22,6 Millionen Erwerbspersonen unterhalten werden? Oder haben wir es hier mit jener fast legendären Gruppe der "Selbständigen Berufslosen" (einschließlich ihrer "mithelfenden Familienangehörigen") zu tun, in der unsere Wiesbadener Statistiker die Studenten, Irrenanstaltsinsassen, "hauptberuflichen" Sozialrentner, Kriminalhäftlinge und alleinstehenden Damen mit den Beamtenpensionären unter einen Hut bringen? Das ist offenbar nicht der Fall. Denn abgesehen davon, daß in dieser Sammelposition ein guter Teil der 17,4 Millionen sozial Unterstützten steckt, würden uns so (statt der fehlenden 10 Millionen) auch bloß 5,7 Millionen "Einkommensbezieher" (einschließlich ihrer 2,9 Millionen Angehörigen also insgesamt 8,6 Millionen Menschen) für unsere Rechnung zuwachsen.

Aber nicht nur die "Selbständigen Berufslosen" haben Familie, sondern auch die Erwerbspersonen. Werden etwa die 50 Millionen voll, wenn wir sie mit einbeziehen? Neues Dilemma: Wie Seite III des Statistischen Jahrbuches ausweist, handelt es sich hier um nicht weniger als runde 17 Millionen. Nach Abzug von rund einer Million Familienangehöriger der Arbeitslosen (die hier nicht mitgezählt werden dürfen, da sie bereits in der Zahl der 17,4 Millionen sozial Unterstützter enthalten sind!) bleiben "netto" 16 Millionen. Selbst wenn wir diesmal der Einfachheit halber die "Selbständigen Berufslosen" unberücksichtigt lassen, d. h. so verfahren, "als ob" sie sämtlich Empfänger von Sozialeinkommen wären – (was allenfalls für 80 v. H. ihrer Zahl zutrifft), sieht die Rechnung wie folgt aus:

17,4 Mill. sozial Unterstützte;

22,6 Mill. Erwerbspersonen;

16,0 Mill. deren Angehörige;