In dem jungen zentralafrikanischen Bundesstaat, der durch den Zusammenschluß von Süd- und Nordrhodesien und Njassaland im September 1953 gegründet worden ist, haben Mitte Dezember die Wahlen für die erste gesetzgebende Versammlung stattgefunden. Der Wahlgang brachte einen überraschend hohen Sieg der Föderalistischen Partei, die 24 von den 35 Parlamentssitzen eroberte und somit über die weitere Entwicklung allein bestimmen wird. Die beiden anderen Parteien, die Konföderierten und die Liberalen, gingen so gut wie leer aus. Neun Abgeordnete des Parlaments, nämlich sechs Neger und drei Weiße, haben den Auftrag, die Interessen der Schwarzen zu vertreten. Sie sind zum Teil ernannt, zum Teil gewählt. Der Wahlkampf spielte sich ausschließlich zwischen den 64 000 wahlberechtigten Weißen des neuen Bundesstaates ab.

Der Sieg der Föderalisten ist bedeutsam wegen des Rassenprogramms dieser Partei. Die Föderalisten sind für eine "Teilhaberschaft" der Eingeborenen. Sie vertreten zwar die Ansicht, daß die europäische Führung noch während der nächsten zwei oder drei Generationen bestehen bleiben muß, daß aber beiden Rassen auf dem Gebiet der Erziehung und der Wirtschaft die gleichen Chancen gegeben werden sollen. Nach Ansicht ihres Führers, des Ministerpräsidenten Sir Godfrey Higgins, ist die Bildung eines großafrikanischen Mittelstandes, der später einmal die Führer der eingeborenen Bevölkerung hervorbringen soll, das Hauptproblem der Rassenfrage.

Der Sieg der Föderalisten war für die Regierung der Südafrikanischen Union eine Enttäuschung. In Pretoria hatte man auf einen Sieg der’Konföderierten gehofft, die mit der südafrikanischen Malan-Regierung in den Fragen der Rassentrennung übereinstimmen. Im Gegensatz zu den Föderalisten fordern die Konföderierten die Bildung schwarzer und weißer. Kantone innerhalb des Bundesstaates durch eine "gerechte Aufteilung der Gebiete". Diese Forderung der Konföderierten deckt sich mit den Wünschen der Eingeborenen. Auf beiden Seiten wird diese Haltung von Furcht diktiert, bei den Konföderierten von der Furcht vor den Schwarzen, bei den Eingeborenen von der Furcht vor den Weißen.

Die Regierung der Südafrikanischen Union hatte seit Jahren im Hinblick auf den von ihr vorausgesehenen Zusammenschluß der beiden Rhodesien die Auswanderung südafrikanischer Staatsangehöriger nach Rhodesien gefördert, in der Absicht, den für eine völlige Rassentrennung eingestellten Teil der weißen Bevölkerung und damit das Burenelement so zu stärken, daß es dominierte. Der Ausgang der Wahl beweist, daß dieses Ziel nicht im Entferntesten erreicht worden ist. Dagegen hat Ministerpräsident Higgins mit deutlicher Anspielung auf den planmäßigen Bevölkerungsschub aus der Südafrikanischen Union erklärt, "einige Leute werden einen Schock bekommen, wenn sie erfahren, wen wir in Zukunft als Einwanderer ablehnen. Bei uns ist kein Platz für Leute, die mit ihren Beinen in zwei Lagern stehen". E. K.