Dd., Gießen

Die 3000 Einwohner zählende Landgemeinde Leihgestern – südlich von Gießen zwischen Lahntal und Wetterau – hat sich in dem Augenblick um ein Jahr verjüngt, als sich die Bürger anschickten, das 1150jährige Jubiläum des alten Kirchdorfes zu feiern. Das festliche Ereignis mußte in letzter Minute um ein Jahr verschoben werden.

Leihgestern ist einer der ältesten Orte des fruchtbaren oberhessischen Landes. Fränkische Gräber legen Zeugnis von einer Besiedlung in vorkarolingischer Zeit ab. Die erste urkundliche Erwähnung, die bisher auf das Jahr 804 datiert worden war, findet sich im "Codex Laureshamensis", dem Urkundenbuch des Klosters Lorsch. Darin ist zu lesen, daß dem Kloster an der Bergstraße Liegenschaften in Leihgestern übereignet wurden, und zwar im "XXXVI. Jahre Kaiser Karls", das wäre also 804. Aber die Eintragung erwähnt den Abt Adalung, der mit Sicherheit erst seit 805 amtierte-, und sie ist auch in die übrigen Urkunden, dieses Jahres eingereiht, stammt also mit Sicherheit erst aus dem 37. Regieru’ngsjahr Karls des Großen. Der karolingische Schreiber hat den letzten Strich der Zahl XXXVII vergessen.

Als sich die Gemeindeverwaltung bei der Vorbereitung ihres Jubiläums an die Staatsarchive in Darmstadt und Wiesbaden wandte, um die Urkunden für die ihrer Ansicht nach im Frühjahr 1954 fällige Feier auszuleihen, wurde sie auf den Irrtum aufmerksam gemacht.