In unserer letzten Ausgabe haben wir (unter der Überschrift "Rätsel-Zahlen") an unsere Leser, besonders aber an Minister Schiffer, die Frage gerichtet, wie sich die von ihm genannte Zahl von 17,4 Millionen Empfängern sozialer Leistungen mit der Bevölkerungsstatistik vereinbaren lasse. Hier nun, als unsere eigene Antwort, eine Klarstellung des Sachverhaltes.

Schäffers These lautete, daß im Bundesgebiet "allein 17,4 Millionen Menschen auf ein ‚Sozialeinkommen‘ aus öffentlichen Mitteln angewiesen" seien. Zählt man dieser Zahl diejenige der Erwerbstätigen und ihrer Angehörigen hinzu, so ergibt sich eine fiktive Bevölkerungsziffer von weit über 50 Millionen. Da aber in der Bundesrepublik unzweifelhaft weniger als 50 Millionen Menschen leben, so bleibt eben nur dies als des Rätsels Lösung: daß es auch unter den Erwerbstätigen und ihren Angehörigen sehr viele (nämlich mehrere Millionen) sozial Unterstützte gibt.

Wenn Minister Schäffer es so meint, ist gegen seine Rechnung gar nichts einzuwenden. Freilich dürfte er dann nicht die irreführenden Formulierungen gebrauchen, daß "jeweils vier Erwerbspersonen den Lebensunterhalt von drei Sozialrentenempfängern bezahlen" und daß diese auf soziale Hilfe "angewiesen" seien. Derartige Formulierungen müssen den Eindruck erwecken, als ob vier Erwerbstätige drei Sozialrentner neben den eigenen Angehörigen mit "durchzuschleppen" hätten. Und das ist eben einfach nicht richtig. Vielmehr liegen die Dinge so, daß nicht einmal einer von drei Sozialrentenempfängern "fremd" ist, d. h. also, daß (mindestens) zwei Drittel der sozial Unterstützten zur Gruppe der Erwerbstätigen (und ihrer Angehörigen) rechnen.

Genauer: 4,6 Millionen "hauptberuflicher" Empfänger sozialer Leistungen – mit ihren Angehörigen also rund 6,9 Millionen – sind in der statistischen Gruppe der sogenannten "Selbständigen Berufslosen" vorhanden; ihnen stehen – bei einer von Mehrfachzählungen bereinigten Gesamtzahl von gut 15 Millionen Sozialempfängern – zehn bis elf Millionen sozial Unterstützte (einschließlich ihrer Angehörigen 16 bis 17 Millionen) gegenüber, die von der Statistik als Erwerbspersonen und als deren Angehörige ausgewiesen werden.

Der langen Rede kurzer Sinn: Minister Schäffer hat zwar recht, wenn er sagt, daß vier Erwerbstätige drei Sözialempfänger unterstützen müssen. Aber er hat übersehen (oder verschwiegen), daß zwei von diesen drei Unterstützten entweder noch selbst erwerbstätig sind (damit zugleich zur "anderen Gruppe" gehören, die jene Leistungen aufbringt), oder doch einem solchen Familienhaushalt angehören, dem ein Erwerbstätiger vorsteht. Und das darf eben nicht übersehen werden.

Die Sache ist von uns deshalb so ausführlich behandelt worden, weil ihr gegenwärtig eine eminente politische Bedeutung zukommt. Das Kabinett will jetzt, im Laufe der nächsten sechs Monate, "die" Sozialrenten um jährlich 750 Mill. DM erhöhen, damit – der Wohnungsbauminister hat neulich die Katze aus dem Sack gelassen – die zehnprozentige Erhöhung der (Altbau-)Mieten möglichst schmerzlos über die Bühne gehen kann. Die Zulagen würden freilich nur den sechs Millionen Empfängern in der eigentlichen Rentenversicherung zugute kommen – insbesondere den "Altrentnern", mit langjährigen Anwartschaften, die durch "in gutem Geld" gezahlte Beiträge erworben worden sind." Diese begünstigte Gruppe, der eine Rentenaufwertung zugedacht ist, darf nun aber keinesfalls mit der Gruppe der "hauptberuflichen Rentenempfänger" identifiziert werden – jenen 4,6 Millionen Menschen (einschließlich ihrer Angehörigen 6,9 Millionen), die – neben anderen – in der

Diese graphische Darstellung, die wir dem letzten Monatsbericht der Bank deutscher Länder entnommen haben, zeigt einigermaßen frappierende Entwicklungen. Sie widerlegt nämlich die allgemeine Auffassung, wonach das "abgeleitete Einkommen" der Empfänger sozialer Leistungen in den letzten Jahren hinter dem Lohn- wie insbesondere dem Unternehmereinkommen "hoffnungslos zurückgeblieben "sein soll ... Gerade das Gegenteil ist der Fall! Das Sozialeinkommen hat stark aufgeholt, während der "Unternehmerlohn" (einschließlich der Kapitaleinkommen) seit dem Höchststand von 1951 rückläufig ist. Auch bei Berücksichtigung des relativ niedrigen Ausgangsstandes (1950) ergibt sich, daß die seitdem eingetretene Aufstockung der Sozialrenten Unterstützungen und Ruhegehälter um (durchschnittlich) fast 50 v. H. die Lage der Bezieher von Sozialeinkommen (bei mittlerweile um nur 7 v. H. gestiegenen und seit Ende 1952 rückläufigen Lebenshaltungskosten) drastisch gebessert hat. Der Anstieg ist (relativ) nicht geringer als bei den Lohneinkommen.