Z., München, im Januar

Geradezu schlagartig sind in Bayern zwei Kräfte losgebrochen: der Fasching und der Schnee. In ihrer Narrenresidenz im "Bayerischen Hof", die man mit Hilfe der Dekorationen aus dem Film "Sterne über Colombo", zu einer pompösen Märchenkulisse aus Palmen, Paradiesvögeln, Grotten und Gärten unter blauem Seidenhimmel verwandelt hat, trat das Faschingsprinzenpaar seine Herrschaft an. Münchens populärer Oberbürgermeister Thomas Wimmer samt Stadträten und Landtagsabgeordneten übergaben dem Faschingsprinzen die traditionellen drei Schlüssel. München geht mit Ernst in den Spaß. Man möchte des Kölner Karnevalsgewaltigen Thomas Liessem abfällige Bemerkung, ein Münchner Faschingszug sei wie ein Begräbnis vierter Klasse, entschlossen Lügen strafen.

Währenddessen hat der Schnee Narreteien auf seine Weise angerichtet: Das Sonnenobservatorium auf dem Wendelstein hat nur noch drahtlose Verbindung mit der Außenwelt. Brot, Wasser und Zigaretten werden, wie der Leiter, Professor Müller, bekanntgab, langsam knapp: "Wir haben uns die Ohren mit Watte zugestopft, um das Getöse des Sturmes nicht so zu hören." Die Zugspitze meldet Sturmböen bis zu 140 km Stundengeschwindigkeit. Hunderte von Ortschaften in Südbayern sind abgeschnitten, überall gehen Lawinen nieder. In München gab es den größten Schneefall seit 1929.