Ein Vergleich der industriellen Produktion der Hansestadt Hamburg mit derjenigen anderer deutscher Industriestädte zeigt, daß die Hamburger Industrie mit beachtlichem Vorsprung an erster Stelle steht. Diese zwar nicht neue, aber in den einzelnen Daten höchst interessante Feststellung entnehmen wir dem Jahresbericht 1953 der Hamburger Handelskammer, der in seiner breit aufgegliederten Darstellung und kritischen Beurteilung des wirtschaftlichen Geschehens der vergangenen zwölf Monate Beachtung verdient. Der Umsatz der Hamburger Industrie hätte 1952 einen Wert von 5,5 Mrd. DM, gefolgt, von Westberlin mit 2,8 Mrd. DM. Der von Januar bis September 1953 erzielte Umsatz betrug 4,5 Mrd. DM gegenüber 4 Mrd. DM in der Vergleichszeit des Vorjahres. Der Exportanteil blieb bei etwa 10 v. H des Gesamtumsatzes und wies damit gegenüber der Vergleichszeit im Vorjahr eine Steigerung um 15 v. H. auf. Das Schwergewicht des Industrieexportes lag wiederum bei den Gruppen Schiffbau (28,3 v. H.), Maschinenbau (18,8 v. H.) und Mineralölindustrie (13,5 v. H.).

Trotz der absoluten Vorrangstellung, die die Hansestadt heute dem Produktionswert nach gegenüber den anderen Industriestädten des Bundesgebietes innehat, ist aber das Zurückbleiben des Hamburger Produktionsergebnisses im Verhältnis zum übrigen Bundesgebiet (um etwa 50 Punkte) weiter augenfällig. Erst 1953 konnte die Fertigung der Hamburger Industrie das Niveau von 1936 nicht nur in einzelnen Spitzen überschreiten, sondern auch ständig (mit Ausnahme eines saisonalen Umschlages im Februar) darüber halten. Wie in den vergangenen Jahren verhinderte auch 1953 der Mangel an Investitionskapital Betriebsmitteln und Räumlichkeiten eine bessere Nutzung sowie einen wesentlichen Ausbau der vorhandenen Kapazitäten und die Ansiedlung neuer Betriebe. Als neues Moment trat, wie die Handelskammer schreibt, in 1953 ein Auftragsmangel in verschiedenen Sparten hinzu. Erheblich fühlbarer als in den Vorjahren wurde die in den letzten Jahren zu verzeichnende Verschlechterung der Standortbedingungen der Hamburger Industrie, Als wichtigste Gründe für diese Entwicklung werden die überdurchschnittliche Höhe des Hamburger Lohnniveaus, sowie die besondere Förderung anderer Gebiete genannt, die zur Beeinträchtigung der Hamburger Standortbedingungen geführt und ungerechtfertigte Verschiebungen der Wettbewerbsbedingungen begünstigt haben. -er