H. G., Nicosia, im Januar

Noch immer wird der Außenhandel Cyperns mit Deutschland sehr stark dadurch beeinflußt, daß die Insel britische Kronkolonie ist. Und wenn auch in der Exportbilanz von Cypern Deutschland überraschenderweise als weitaus größter Abnehmer der Erzeugnisse der Insel erscheint, so blieben die Bezüge Cyperns aus der Bundesrepublik bisher doch sehr geringe 1952 kaufte Westdeutschland von Cypern Exportgüter im Werte von 5,494 Mill. £, während im gleichen Jahr die Insel aus Deutschland nur Güter für 798 000 £ bezog. Leider ist die Bundesrepublik das einzige Land, das eine derartige negative Handelsbilanz mit Cypern aufzuweisen hat.

Diese, unerfreuliche Tatsache ist vor allem auf drei entscheidende Faktoren zurückzuführen: in der Summe von 5,494 Mill. £ sind allein rd. 5,130 Mill. £ für Mineral-. und Erzexporte enthalten, während für die übrigen Exportgüter Cyperns in 1952 kaum 364 000 £ verblieben. Ferner wirken sich die britischen Bestimmungen, die eine Einfuhr einer Reihe von Gütern aus Ländern, die nicht zum Sterlingblock gehören, von Einfuhrlizenzen anhängig machen, sehr behindernd für den deutschen Export nach Cypern aus. Außerdem bedeutet der Vorzugszoll, den britische Güter bei der Einfuhr nach Cypern genießen, eine weitere Benachteiligung des deutschen Exports. 1952 erreichte der Export Cyperns nach Großbritannien nur knapp die Hälfte der Ausfuhr nach Deutschland, dagegen belief sich der britische Export nach Cypern mit 8,834 Mill. £ auf das Elffache des deutschen Exports. Nach den britischen Statistiken, die kaum anzuzweifeln sein dürften, nimmt Deutschland etwa 30 v. H. des Exports der Insel auf, während nur knapp 4 v. H. des Imports von Cypern aus Deutschland bezogen werden.

Alle Bemühungen deutscher Wirtschaftskreise, das Mißverhältnis des gegenseitigen Handelsverkehrs zu beseitigen, waren lange Zeit ohne Erfolg. Erst der Initiative der diplomatischen Vertretung der Bundesrepublik in Großbritannien, die Dr. Ruscher nach Cypern entsandte, ist es zu danken, daß seit dem 1. Januar 1954 eine Reihe von Einfuhrgütern von der Sperrliste gestrichen wurden. Es dürfte daher jetzt endlich möglich sein, mit Cypern eine günstigere Handelsbilanz zu erreichen.

Als besonders bedauerlich muß bezeichnet werden, daß sich Textilien und Elektrowaren noch immer auf der Sperrliste befinden. Für deutsche Maschinen gibt es dagegen keine Hindernisse mehr; günstige Exportaussichten bestehen ohne Zweifel für Straßenbau-, Steinbruch- und alle sonstigen Baumaschinen, ferner für Fahrräder, Kameras, Uhren und Rasierapparate. Der Import deutscher Kraftfahrzeuge unterliegt leider einer starken Beschränkung: es dürfen aus Deutschland nur 24 Stück je Jahr und Fabrikat eingeführt werden. Beachtung verdient die Bestimmung, daß Waren- und Markenschutzzeichen registriert werden müssen. Ratsam ist hier die Hinzuziehung eines einheimischen Anwalts. Günstig hat sich für die Ausdehnung der Handelsbeziehungen der von der Atlas-Levante-Linie, Bremen, mit Cypern unterhaltene Schiffsverkehr erwiesen. Diese Schiffsverbindung wurde von der Kaufmannschaft Cyperns, die sehr deutschfreundlich ist, mit Genugtuung zur Kenntnis genommen.