DIE ZEIT

Nur Mut, Herr Bundeskanzler!

Es gehört schon einiger Mut dazu, sich in der Verfassung, in der sich der Westen befindet, auf Verhandlungen mit den Sowjets einzulassen.

Streit um Wehrgesetze

Nach langem, heftigem Streit um den Termin der ersten Lesung des Verfassungsänderungsgesetzes zeichnete sich zu Beginn der Woche eine Lösung ab, die die erwägenswerten Argumente beider Seiten berücksichtigt.

Abgeordnete sterben schneller

Ist die Managerkrankheit, von der in den letzten Jahren so viel geredet und geschrieben wird, eine Fabel? Fast möchte man das glauben, wenn man eine diesem Problem gewidmete Untersuchung in der Jahrhundert-Festschrift der Victoria Versicherung liest, die zu dem Schluß kommt: "Das untersuchte Material (etwa 25 000 leitende Personen mit 1179 Todesfällen in drei bis fünf Beobachtungsjahren) erbrachte nicht den Beweis, daß gegenwärtig in der Bundesrepublik allgemein und für einen längeren Beobachtungszeitraum eine Übersterblichkeit der leitenden Persönlichkeiten besteht.

Wieder Dr. Klett

In Stuttgart ist am Sonntag der bisherige Oberbürgermeister Dr. Klett mit 80 Prozent der abgegebenen Stimmen auf zwölf Jahre wiedergewählt worden.

Glückliche SPD

Aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle geht hervor, daß die SPD die Kapitulation sehr viel besser überstanden hat als Deutschland.

Neutralisierung?

Je näher die Berliner Konferenz heranrückt, um so lebhafter scheint das Verlangen westlicher Diplomaten und Politiker zu werden, die Sowjets wissen zu lassen, worauf der Westen von vornherein zu verzichten bereit sei.

Was sonst noch geschah

Zwei Tage vor dem Beginn der Berliner Konferenz fällt in Korea eine Entscheidung, die nicht ohne Einfluß auf die Atmosphäre der Außenministerkonferenz bleiben wird.

Sieben Schicksalstage auf der "Leros"

Diese Woche war die längste Woche ihres Lebens, obwohl sie nur sieben Tage zählte wie alle anderen Wochen auch. Diese Woche begann am Montag, dem 4.

Der Barde von Pankow

Johannes R. Becher ist "Minister für Kultur" geworden. Das ist nicht der Höhepunkt, sondern das Ende einer Karriere oder auch die Erlösung von einer unerträglich gewordenen Zumutung, als Dichter zu figurieren.

ZEITSPIEGEL

Die Zeitungen, insbesondere "eine große norddeutsche Wochenzeitung", sollten die Urteile immer genau lesen, bevor sie darüber schreiben, hat der Sprecher des Bundesverfassungsgerichts in einer Pressekonferenz in Karlsruhe bemerkt.

Lehrstühle für Politik

Die westdeutsche Rektorenkonferenz hat bei ihrer Tagung in Göttingen empfohlen, überall da, wo die persönlichen Voraussetzungen gegeben sind, Lehrstühle für die Wissenschaft von der Politik zu schaffen.

Dekanosow und Kobulow

In einer ihrer seltsamen, makabren Launen hat die Weltgeschichte die beiden Gegenspieler der Nacht des 22. Juni 1941, in der Hitler der Sowjetunion den Krieg erklären ließ, ausgelöscht: Ribbentrop wurde nach dem Spruch des Militärtribunals in Nürnberg im Oktober 1946 und Dekanosow wurde nach dem Urteil des Militärgerichts in Moskau Ende Dezember 1953 hingerichtet.

Dengin ist ein harter Partner

Bei den Berliner Vorverhandlungen über die Konferenzstätte und die Konferenztechnik traten zum ersten Male seit mehr als fünf Jahren die Berlin-Vertreter Amerikas, Englands, Frankreichs und der UdSSR zu wiederholten und langwierigen Besprechungen zusammen.

Die deutsche Schule nach dem Tag X

Endlich ist es soweit: Die Frage der deutschen Einheit ist Gegenstand internationaler Konferenzen. Es wird also Zeit, daß auch alle jene, die sich für Kulturfragen verantwortlich fühlen, die Aufgaben durchdenken, die sich aus der Zonenvereinigung ergeben.

Ludwig Klitzsch †

In Bad Wiessee starb, zweiundsiebzig Jahre alt, Dr. h. c. Ludwig Klitzsch, der lange Zeit Generaldirektor des Scherl-Verlags und der Ufa gewesen war.

Russische Bauern fügen sich nicht

In der Sowjet-Union wird kein Problem so ausgiebig in aller Öffentlichkeit behandelt wie das der Landwirtschaft und mit ihr das der Ernährung.

Warum Pella stürzte

Die Regierung, in der Pella den Vorsitz hatte, war genau 143 Tage im Amt. Als sie gebildet wurde, trug sie das Etikett eines "provisorischen Verwaltungskabinetts"; zu Fall gekommen ist sie über eine außerparlamentarische Krise, die wohl das Vorspiel zu einer schweren und langen Krise in Italien sein wird.

Ist "Striese" eine Beleidigung?

Durch den Artikel "Der Striese von Remscheid" in Nr. 51 des vorigen Jahrgangs, der ZEIT fühlte sich Intendant Wilhelm Michael Mund beleidigt.

Wo bleibt die Schauspielkunst?

Gewiß nicht alle, aber die meisten Gefahren, die das große Land der Vereinigten Staaten bedrohen, kommen von seinem Reichtum.

Trophäe König Davids

Während sich Jerusalem rüstet, die Dreitausendjahrfeier der Davidischen Eroberung zu begehen, ist kürzlich der erste datierte Gegenstand dieser Epoche auf den Schlachtfeldern entdeckt worden, auf denen König David seinen entscheidenden Sieg gegen die Philister gewann.

Die blonde Dame in Schwarz

Damals, vier Jahre nach dem ersten Weltkrieg, war die eiserne Brücke über den Värtan, die Stockholm mit der Insel Lidingö verbinden sollte, noch im Bau.

Bühne als missionarische Anstalt

Der Sturm der Zeit hat in keinem Theaterpublikum ähnlich gewütet wie in dem Wiens. "Die Gesellschaft" der Vorkriegszeit, die zumindest darum ins Theater ging, um zu sehen und gesehen zu werden, ist von einer neuen Gesellschaft verdrängt, die das gleiche viel mondäner in St.

Die Minute des Negers

Die Minute des Negers wird dem Leser einige Stunden kosten und selbst dann wird er nicht sicher sein, ob er Wolfgang Weyrauchs (bei Rowohlt, Hamburg) neu erschienenes Lehrgedicht wirklich im Sinne des Autors verstanden hat.

Leben eines Wilden

In der großen Romanflut ein wirklich außergewöhnliches Buch zu finden (außergewöhnlich nicht nur im Sinne von Qualität), ist ein Ereignis besonderer Art.

Die halbe Wahrheit des Herrn Voltaire

Keine geistige Erscheinung des achtzehnten Jahrhunderts hat die Welt so sehr in Bewegung gebracht wie Voltaire. Noch die ganzen hundert Jahre nach seinem Tode hallten wider von seinem Ruhm, und kein bemerkenswerter Denker dieses Säkulums ist unberührt an ihm vorübergegangen.

Bayern: Fasching und Schnee

Geradezu schlagartig sind in Bayern zwei Kräfte losgebrochen: der Fasching und der Schnee. In ihrer Narrenresidenz im "Bayerischen Hof", die man mit Hilfe der Dekorationen aus dem Film "Sterne über Colombo", zu einer pompösen Märchenkulisse aus Palmen, Paradiesvögeln, Grotten und Gärten unter blauem Seidenhimmel verwandelt hat, trat das Faschingsprinzenpaar seine Herrschaft an.

Hessen: Diese Beamten!

Die 3000 Einwohner zählende Landgemeinde Leihgestern – südlich von Gießen zwischen Lahntal und Wetterau – hat sich in dem Augenblick um ein Jahr verjüngt, als sich die Bürger anschickten, das 1150jährige Jubiläum des alten Kirchdorfes zu feiern.

Bremen: Lloydflagge wieder auf allen Meeren

Nach fast fünfzehnjähriger Unterbrechung wird am 1. Februar auf einem der schönsten Fahrgastschiffe im Atlantikverkehr die auf allen Meeren einst hochangesehene Flagge des Norddeutschen Lloyd im Großtopp wehen: der 19 105 BRT große Dampfer "Gripsholm" der Schweden-Amerika-Linie wird sie hissen, während er im Heck die Bundesflagge auswehen lassen wird.

Niedersachsen: Keiner wird Doktor

Der Beschluß der westdeutschen Rektorenkonferenz, die Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven-Rüstersiel nicht in die Hochschulgemeinschaft aufzunehmen, weil ihr "institutioneller und wissenschaftlicher Aufbau nicht breit genug" sei, trifft die niedersächsische Landesregierung empfindlich.

Noch liegen wir ein Stück zurück

Zum ersten Male seit Ende des zweiten Weltkrieges, genauer seit dem Potsdamer Abkommen, wird auf der Berliner Viererkonferenz endlich wieder die Deutschlandfrage – und zwar die Frage des gesamten Deutschlands – Tagesordnungspunkt Nummer 1 der weltpolitischen Verhandlungen zwischen West und Ost sein.

Reform oder Privilegien

Das erste Kapitalmarktförderungsgesetz war von seinen Vätern als ein dynamisches Gesetz gedacht. Es sollte mit der Lösung eines Teilproblems stets die nächste Frage aufwerfen, so lange, bis an wirklich freier und funktionsfähiger Kapitalmarkt geschaffen sei.

Dürfen wir 750 Mill. DM "blind" verteilen?

In unserer letzten Ausgabe haben wir (unter der Überschrift "Rätsel-Zahlen") an unsere Leser, besonders aber an Minister Schiffer, die Frage gerichtet, wie sich die von ihm genannte Zahl von 17,4 Millionen Empfängern sozialer Leistungen mit der Bevölkerungsstatistik vereinbaren lasse.

Das Spiel steht 1:1

Die Aussprache-Tagung, zu der die Volkswirtschaftliche Gesellschaft (Sitz Hamburg) führende Persönlichkeiten von Kohle und Eisen nach Essen in das Gebäude des ehemaligen Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats eingeladen hatte, wurde ein voller Erfolg.

Sonderbewegungen bei Aktien

Als Folge vorsichtiger Dispositionen zum Jahresultinio standen in den ersten Börsentagen des neuen Jahres in größerem Umfang Gelder zur Verfügung, die an der Börse nach Anlagemöglichkeiten suchten und sie auf dem IG-Farben-Markt, bei den Großbank-, Elektro-, Kali-, Versorgungs- und Zellstoffaktien fanden.

Aufwärts in Schleswig-Holstein

Die Industrie Schleswig-Holsteins berichtet über eine sehr günstige Jahresbilanz für 1953. Dies kommt nicht nur im Produktionsindex der gesamten Industrie des Landes mit 136 (1936 = 100) gegenüber 1952 mit 127 zum Ausdruck, das ist auch daran zu erkennen, daß sich der Gesamtumsatz der Industrie mit über 3 Mrd.

Beendeter Sild-Streit

Norwegen erhielt am 30. Dezember eine bundesrepublikanische Neujahrsüberraschung: der deutsch-norwegische Streit über eine Zollsenkung für Brislinge und Silds, um die sich Norwegen viele Monate hindurch erfolglos bemüht hatte, wurde durch ein deutsch-norwegisches Zollabkommen endlich bereinigt.

Dezentralisiertes Verfahren

Es ist für die deutsche Außenwirtschaft unbestritten notwendig, Niederlassungen im Ausland zu errichten und gegebenenfalls sich an Unternehmen im Ausland zu beteiligen.

Hamburg ist größte Industriestadt

Ein Vergleich der industriellen Produktion der Hansestadt Hamburg mit derjenigen anderer deutscher Industriestädte zeigt, daß die Hamburger Industrie mit beachtlichem Vorsprung an erster Stelle steht.

Handelspartner Cypern

Noch immer wird der Außenhandel Cyperns mit Deutschland sehr stark dadurch beeinflußt, daß die Insel britische Kronkolonie ist.

Panne im Schwedenhandel

Das Handelsabkommen für 1954 zwischen Schweden und Westdeutschland ist nicht zustandegekommen. Nach wochenlangen Verhandlungen, die schon im November in Bonn begannen und im Dezember in Stockholm fortgesetzt wurden, brach man sie am 21.

Schwierige Liquiditätslage

Die Rheinmatall - Borsig AG, Berlin, deren HV am 23. November 1951 die Umstellung des Aktienkapitals im Verhältnis 5:1 auf 15 Mill.

In Ostpreußen heulen die Wölfe

I. Asiaten als Wehrfischer – Noch immer deutsche Facharbeiter in Königsberg – Rote Siedler zogen wieder ab – Ein Bericht aus unseren Ostgebieten

Auch der Verlierer hat Chancen

Die Situation ist nun eindeutig geklärt: Hein ten Hoff weiß jetzt genau, woran er ist. Sein tapferer und entschlossener Kampf gegen den Vierten der Weltrangliste, Dan Bucceroni, hat den Beweis erbracht, daß der ehemalige Deutsche und Europameister im Schwergewicht kein Weltklasseboxer ist.

Fremd im Mutterland

Prinz Bernhard der Niederlande weilte kürzlich zu Besuch beim äthiopischen Kaiser Halle Selassie in Addis Abeba. Dabei wurde die Frage erörtert, ob nicht die "repatriierten" indischen Kolonial-Holländer im Reiche des Negus angesiedelt werden könnten.

Funk für Anspruchsvolle

Das "Gesetz der Serie", das im Leben eine so große Rolle spielt, bemächtigt sich bisweilen auch der Funkprogramme. So wurden in der vergangenen Woche die Hörspielhörer (die beständigste und sensibelste Kategorie aller Hörer) mit Literatur geradezu überflutet.

Wenn Bücher fliegen ...

Das Zeitalter des Idealismus war doch wohl skeptischer als unser Zeitalter des Zweifels an ’all und jedem. Denn der Satz "Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind" war ein echtes Manifest skeptischen Geistes.

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