Die westdeutsche Rektorenkonferenz hat bei ihrer Tagung in Göttingen empfohlen, überall da, wo die persönlichen Voraussetzungen gegeben sind, Lehrstühle für die Wissenschaft von der Politik zu schaffen. Ausdrücklich wird gesagt, daß zwar eine Stellung zu den politischen Tagesfragen nicht zur Aufgabe wissenschaftlicher Hochschulen gehöre, zugleich aber wird betont, daß die Universität dort ihre Stimme erheben müsse, wo es um die Grundfragen des politischen Lebens geht. Ferner heißt es. im Beschluß der Rektorenkonferenz, daß die Lehrstühle für politische Wissenschaften nicht der einzige Träger der politischen Bildung der Studenten sein sollen; sie empfiehlt vielmehr die Ausweitung des "studentischen Arbeitsprogramms" vom sozialen auf den politischen Bereich.

Allerdings hat Bismarck erklärt, daß Politik keine Wissenschaft, sondern eine Kunst sei. Trotzdem darf der theoretische Politiker nicht unterschätzt werden. Von Homer stammt das Wort, daß Einsicht mehr helfe als Stärke. Einsicht aber in die Zusammenhänge der Politik tut unserer akademischen Jugend dringend not. B. L.