B. P., Stockholm, im Januar

Das Handelsabkommen für 1954 zwischen Schweden und Westdeutschland ist nicht zustandegekommen. Nach wochenlangen Verhandlungen, die schon im November in Bonn begannen und im Dezember in Stockholm fortgesetzt wurden, brach man sie am 21. Dezember ergebnislos ab. Nur ein unbefriedigendes Provisorium für die ersten sechs Monate des neuen Jahres ist erreicht. Über die Gründe wurde von schwedischer Seite zunächst nichts veröffentlicht. Erst als via Schweiz) Einzelheiten über die Verhandlungen durchgesickert waren, gab das schwedische Außenministerium zum Jahresende einen Bericht heraus. Darin heißt es u. a., daß die protektionistische Einstellung der deutschen Unterhändler es unmöglich gemacht habe, auch nur für das erste halbe Jahr 1954 ein endgültiges Abkommen zu treffen. Nicht einmal bei geringfügigen schwedischen Exportwünschen (z. B. für Straßenpflastersteine und Ankerketten) fand man Entgegenkommen. Außerdem wird darauf hingewiesen, daß Westdeutschland im Handel mit Schwer den im letzten wie im vorhergehender. Jahre einen Ausfuhrüberschuß von etwa einer halben Mrd. Kronen hatte (1952: 631 und Januar–Oktober 1953: 480 Mill. Kr.; eine Krone gleich 0,80 DM).

Bereits die Novemberverhandlungen in Bonn hatten für Schweden eine ernste Enttäuschung gebracht. Schweden schwebte damals ein langfristiges Abkommen für landwirtschaftliche Lieferungen vor, auf das die schwedische Landwirtschaft ihre Erzeugung einrichten konnte. Warum sollte Deutschland seinen Weizen nicht aus dem nahegelegenen Schweden, statt aus Argentinien holen und Schweden Weizen nach dem Rhein statt nach den Amazonas verschiffen? Es war also an eine mehrjährige Zusammenarbeit gedacht. Es stellte sich jedoch in Bonn heraus, daß weder für Butter noch für Speck auf dem Gebiet der Preise, der Mengen oder der Dauer etwas zu machen war. Günstiger schienen die Aussichten für Getreide; aber auch hier erwies sich ein mehrjähriges Abkommen als unmöglich. So kam es denn schließlich überhaupt nur zu einem provisorischen Abkommen für die ersten sechs Monate.

In Schweden wird heute darauf hingewiesen, wie schnell und reibungslos man mit Großbritannien zu einem neuen Abkommen kam, wobei man als Gegenleistung für die Mehrausfuhr an Holz, Zellstoff und Papier, die Einfuhrquote englischer Kraftwagen von 110 auf 140 Mill. Kr. erhöhte. Dagegen hat man nun – da Westdeutschland seine Einfuhrkontingente für Landwirtschaftsprodukte sowie für verschiedene andere schwedische Produkte und Industriewaren herabsetzte – die Kraftwageneinfuhr aus Westdeutschland im ersten Halbjahr 1954 auf nur 50 Mill. Kr. beschränkt. 1953 betrug sie 80 Mill. Kr., da aber die Haupteinfuhr in die erste Jahreshälfte fällt, bedeutet dies eine Verminderung. Über die Gründe der (besonders im Vergleich mit den Briten) unnachgiebigen Haltung der deutschen Unterhändler wird in Stockholm nichts gesagt. Die schwedische Presse weist aber darauf hin, daß der schwedische Markt für die deutschen Exporteure offen daliegt, da der Zollschutz nur unbedeutend ist, daß es dagegen in Westdeutschland sowohl hohe Zölle wie Kontingente sind, die die schwedischen Exporteure hindern: "Bei uns Freihandel, bei euch Protektionismus."

Man soll sich im übrigen darüber klar sein, daß die abweisende Haltung Westdeutschlands hier in allen maßgebenden Kreisen tief verstimmt hat, weit mehr als es den Anschein hat, und daß man hier dabei ist, Konsequenzen zu ziehen und in aller Stille das Steuerruder umzulegen. Wenn man es in Schweden nun als Ergebnis der festgefahrenen Verhandlungen als feststehende Tatsache auffaßt, daß Westdeutschland nicht bereit ist, seinen Ausfuhrüberschuß im Schwedenhandel durch eine größere Einfuhr aus Schweden zu vermindern, dann liegt es natürlich nahe, daß Schweden sein Ziel, den Abbau dieses Saldos, nun auf anderem Wege zu erreichen sucht und in einigen Jahren auch erreicht... nachdem, es in langen Verhandlungen gezeigt hat, daß ihm der Weg größerer Zusammenarbeit lieber gewesen wäre...