Als Folge vorsichtiger Dispositionen zum Jahresultinio standen in den ersten Börsentagen des neuen Jahres in größerem Umfang Gelder zur Verfügung, die an der Börse nach Anlagemöglichkeiten suchten und sie auf dem IG-Farben-Markt, bei den Großbank-, Elektro-, Kali-, Versorgungs- und Zellstoffaktien fanden. In den genannten Gruppen kam es zu mehrprozentigen Kurssteigerungen. Den Vogel schossen die alten IG-Farben-Aktien ab, die einen Gewinn von 14 1/2 Punkten erreichten und mit 143 1/2 v. H. einen neuen Höchststand hatten. Innerhalb der IG-Farben-Gruppe profitierten am stärksten die Liquidationsanteilscheine (zuletzt 39 1/2 v. H.), die sich zum interessantesten Papier an den westdeutschen Börsen entwickelten. In den Liquidationsanteilscheinen sind die Ansprüche aus dem Ost und Auslandsvermögen des alten IG-Farben-Konzerns verbrieft, die sich zusammen auf etwa 2,3 Mrd. DM belaufen. Gelingt es, als Folge einer veränderten politischen Konstellation, die IG-Farben-Aktionäre in irgendeiner Form an diesen Vermögen partizipieren zu lassen, dann liegen in den Liquidationsanteilscheinen ungeahnte Gewinnchancen, die sich heute in Zahlen, kaum erfassen lassen. Zur gegenwärtigen Bewertung der IG-Farben-Nachfolgegesellschaften ist zu sagen, daß bei allen Nachfolgern mit Sicherheit Dividenden zu erreichen sind; ob sie allerdings in jedem Falle die 8-v.-H.-Grenze erreichen, dürfte trotz des zweifellos guten Geschäfts der Gesellschaften noch dahingestellt sein. Das inländische Publikum darf bei den IG-Farben-Papieren nicht übersehen, daß hier ausländische Käufer mit im Spiele sind, die infolge der Sperrmark-Marge, auch wenn diese geringer geworden ist, immer noch billiger an die Aktien herankommen, als der mit DM zahlende Erwerber.

Auf Grund des guten Klanges, den der Name Siemens in der Welt besitzt, bevorzugen die Sperrmarkkäufer daneben auch die Siemens – Aktien die bis auf 141 1/2 v. H. (Stamm-A.) anzogen. Nach Mitteilung der Verwaltung wird mehr als 6 v. H. Dividende gezahlt werden können, nachdem sich die Umsätze beträchtlich ausgeweitet haben. Diese günstigen Momente sind bei der Inzwischen geschlossenen Zeichnung für die 100 – Mill – DM – Anleihe der Siemeps & Halske AG entscheidend ins Gewicht gefallen. Trotz der gegenüber den bisherigen Industrieanleihen verschlechterten Bedingungen und des auf 7 1/2 v. H. herabgesetzten Zinsfußes konnte die Emission, an der sich sowohl Großzeichner als auch Kleinsparer beteiligten, relativ rasch untergebracht werden. Namhafte Beträge sind gegen Sperrmark verkauft worden, Allerdings ist die Nachfrage nach der Siemens-Anleihe von Seiten der Großzeichner nicht so dringend gewesen, wie man es bislang bei den 8-v.-H.-lndustriepapieren gewohnt war, Solange noch Obligationen mit einem Zinssatz von 8 v. H. erwartet werden können, dürften diese begreiflicherweise bevorzugt werden, auch wenn ein weniger klangvoller Name dahintersteht.

Als Beweis mögen dafür die Ende Dezember von einem Bankenkonsortium unter Führung der Landesbank und Girozentrale Schleswig-Holstein und des Hamburger Bankhauses Brinkmann, Wirtz & Co. zum Verkauf gestellten 20 Mill. DM 8 – v. – H. – Schuldverschreibungender Schleswig-Holsteinischen Stromvarsorgungs "AG, Rendsburg, gelten, die glatt untergebracht werden konnten. Gute Aussichten bestehen nach Meinung der Banken für die 200 – Mill. – DM – Lastenausgleichsanleihe, die bis auf einen geringen Betrag von einem Bankenkonsortium übernommen wurde. Die 5-V.-H.-Anleihe (Laufzeit 10 Jahre) Ist steuerfrei und wird zu einem Kurs von 97 v. H. ausgegeben.

Am Bankenmarkt kam es zu regen Umsätzen in Reichsbank-Anteilen und in Aktien der Deutschen Golddiskontbank. In den zuständigen Bundesinstanzen scheint man sich auf einen Plan geeinigt zu haben, der eine 10:6-Umstellung der Reichsbank-Anteile und die Zahlung rückständiger Zinsen vorsieht. Daneben ist an die Ausgabe eines Besserungsscheines gedacht, der der Restquote bei den Großbanken entsprechen würde. Unter dem Eindruck dieses Planes, gegen den die Schutzvereinigungen vorerst Sturm laufen, stiegen die Reichsbank-Anteile vorübergehend bis auf 82 v. H.

Die Berliner Viererkonferenz gab der Börse Anregungen zur Spekulation in den sogenannten Ostpapieren, wozu solche. Gesellschaften zu zählen sind, die erhebliche Teile ihres Vermögens in der sowjetischen Besatzungszone liegen: haben. Dazu gehören Wintershall, Dt. Erdöl, Bekula und AEG. Stark favorisiert wurden Deutsche Continentale Gas, die von 135 1/2 auf 149 1/2 v. H. anstiegen. Ein Sonderfall stellt Schering dar, wo man einmal auf die Rückgabe des Ostvermögens hofft, daneben aber auch mit der Freigabe des Amerika-Vermögens rechnet. – Dynamit-Nobel setzten ihren Anstieg auf 130 v. H. fort. Wenn auch in 1952 der Gewinn von 7,8 Mill. DM zur Tilgung des Verlustes verwandt werden mußte, so hält man die Gesellschaft dennoch für dividendenreif.

Infolge der angespannten Lage auf dem Kohle- und Eisenmarkt reagieren, die Montanwerte mit einer nicht zu übersehenden Schwerfälligkeit. Bevor man sich hier, auf nennenswerte Engagements einläßt, möchte man erst Gewißheit über die Dividendenaussichten. gewinnen. Zur Zeit ist man in den Gesellschafts-Verlautbarungen über diesen Punkt noch zurückhaltend. Ausgesprochen fest und relativ unberührt von den immer wieder auftretenden Realisationstendenzen waren lediglich die Aktien der Ilseder Hütte, wo nach immer noch unbestätigten Gerüchten eine Kapitalaufstockung bevorstehen soll. Die Gewinne in der Gruppe der noch nicht entflochtenen Montane belaufen sich durchschnittlich, auf 5 bis 6 Punkte.

Am Rentenmarkt hielt die Nachfrage nach RM-Industrie-Obligationen an. Die bereits erwähnte Geldflüssigkeit fand ihren Niederschlag in der Kaufneigung für steuerfreie bzw. steuerbegünstigte DM-Emissionen. Erstmalig kamen Papiere aus der Investitionshilfe zum Angebot, die bislang noch zum Ausgabekurs aufgenommen wurden. Bei den Harpener Bonds ist das endgültige Umtauschangebot in einigen Tagen zu erwarten. Es liegt auf der Basis 1:1,5. Der Kurs für die Bonds fiel auf 127 1/2 v. H. zurück, so daß das Angebot praktisch nur einem Verhältnis 1:1,3 entspricht. -ndt