Die drei großen Tierplastiken, die vor der Eröffnung der Gartenbau-Ausstellung aus dem Hamburger Vergnügungspark Planten un Blomen entfernt wurden, sollen demnächst wieder aufgestellt werden, und zwar im Hamburger Stadtpark. Das jedenfalls hat die hamburgische Kulturbehörde den Schöpfern dieser Bildwerke zugesagt, und damit wenigstens zum größten Teil ein Unrecht wieder gutgemacht, dessen Geschichte einiges Aufsehen erregte.

Sie begann 1935. Damals gab die Rechtsvorgängerin von Planten un Blomen, die Hamburger Zoo-Gesellschaft, vier namhaften Künstlern der Stadt den Auftrag, vier Tierskulpturen für das Bassin in Planten un Blomen zu schaffen. Die mächtigen Steinfiguren wurden dann auch an dem vorgesehenen Platz aufgestellt, ein Walroß von Friedrich Wield, eine Robbe von Opfermann und zwei Eisbären, der eine von Ruwoldt, der andere von Kunstmann. Alle vier Künstler hatten schon damals gute Namen und haben sie bis heute behalten. Sie erhielten für ihre Arbeiten je 5000 bis 6000 RM. Es handelte sich dabei um öffentliche Mittel, da Planten un Blomen zu den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Hamburg gehört Achtzehn Jahre standen die steinernen Tiere dort, vielen zur Freude und niemandem zum Anstoß – bis eines Tages im Frühjahr 1953, als die Umgestaltung des Geländes für die Gartenbau-Ausstellung begann, den Künstlern mitgeteilt wurde, daß ihren Werken ein neuer Platz angewiesen werden solle. Man einigte sich auf den Kinderspielplatz als neuen Aufstellungsort. Dort jedoch sind die Plastiken nie erschienen. Sie waren von Stund an spurlos verschwunden. Wiederholte Anfragen der Künstler nach dem Verbleib ihrer Werke blieben unbeantwortet. Gewißheit bestand lediglich über das Schicksal des Walrosses von Wield: es wurde mit Preßluftbohrern zerstückelt. Von diesem Vorgang existieren Photographien. Die Trümmer der Plastik verarbeitete man zu einem Gartenweg. Die ganze Affäre schien vergessen, bis die drei fehlenden Plastiken vor etwa drei Monaten auf dem Hinterhof eines Fuhrunternehmers in der Pappelallee entdeckt wurden. Der "Hamburger Anzeiger" nahm in scharfer Form Stellung. Er berichtete, daß der Fuhrunternehmer die Skulpturen als Lohn für deren Abtransport erhalten habe und sie zum Preise von je 250,– DM zu verkaufen bereit sei. Erst auf die Drohung der Künstlerschaft, daß sie, im Falle der weiteren Mißachtung ihrer Ansprüche auf angemessene Behandlung ihrer Werke, den Rechtsweg beschreiten würde, kam es schließlich zu der Zusage, die Plastiken im Stadtpark unterzubringen. Diese Regelung wurde durch das Entgegenkommen des Fuhrunternehmers ermöglicht, der gegen nachträgliche Zahlung von Fuhrlohn und Lagergeld von seinen Ansprüchen als Eigentümer zurücktrat.

Nicht aus der Welt geschafft wurde damit der Fall des Rodin-Schülers Wield. Planten un Blomen behauptet, das Walroß Wields habe zerstört werden müssen, weil es durch Bombeneinwirkung so beschädigt gewesen sei, daß man es nicht hätte transportieren können. Nach dem Urteil von Fachleuten waren aber nach dem Kriege an dem Bildwerk keine nennenswerten Bombenschäden sichtbar. Allerdings kann Kalk-Tuffsteingemisch – und darum handelt es sich bei allen vier Plastiken – bei plötzlicher übermäßiger Erschütterung springen, und diese Sprünge sind mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß bei einer solchen Erschütterung nur die eine Plastik zersprang, während die anderen drei, die nur 15 Meter davon entfernt waren, unbeschädigt blieben. Aber selbst, wenn die Behauptung von einem Bombenschaden dem Sachverhalt entspräche, so wäre er, nach Ansicht von Fachleuten, reparabel gewesen. Überdies hätte man eine Zerstörung des Werkes nur nach Rücksprache mit der Erbin und Nachlaßverwalterin Wields, Frau Konietzko-Kegel, vornehmen können. Dazu hat man aber nicht einmal den Versuch gemacht. Frau Konietzko sieht dieses als einen Bruch der Urheberrechte Wields an. Sie hält sich für wirtschaftlich geschädigt, da sie in der herabsetzenden Behandlung, die der Wieldschen Arbeit widerfuhr, eine Herabminderung des Wertes von 30 Plastiken erblicken muß, die sie aus dem Nachlaß des Bildhauers besitzt. Sie betrachtet zudem das Andenken Wields, dessen künstlerische Bedeutung groß ist, als geschädigt. Ihre Klage würde auf Schadenersatz lauten, der wiederum aus öffentlichen Mitteln gezahlt werden müßte. Das Urheberpersönlichkeitsschutzrecht verbietet die eigenmächtige Veränderung eines Kunstwerkes bis 50 Jahre nach dem Tode des Künstlers. B.