B., Laubach

In westdeutschen Städten horchten die Musikfreunde auf, als vor drei Jahren die Laubacher Kantorei ihre ersten Konzerte gab. Sie Wurde vor vier Jahren von dem früheren Kantor der Wittenberger Lutherkirche, Adolf Wieber, im Auftrage der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau nach dem Vorbild der Thomaner und Cruzianer gegründet. Der Chor gehört zu den wenigen, die den Namen einer "Kantorei" zu Recht tragen, deren Tradition es fordert, daß sie sich zum geistlichen Gesang ausschließlich der Stimmen von Knaben und jungen Männer bediene.

Der Erfolg ist das Salz des Strebens. Im vorigen Jahr führte das Interesse des Rundfunks zu mehreren Sendungen. Zuletzt konnte man die Laubacher Anfang Januar aus Frankfurt hören. Sowohl Funkhörer als auch Konzertgäste rühmen immer wieder die natürliche Frische ihres Gesanges, ihre hohe Stimmkultur und ihr – Pianissimo, das, wie ein Kritiker schrieb, die vollkommene Illusion des Unirdischen und Engelhaften vermittle. Dabei sind diese Knaben durchaus nicht engelhaft. Das macht jedoch weniger Sorge als das Problem, wie er die durch das Eintreten des Stimmbruchs ausfallenden Stimmen ersetzen soll, ohne daß die Qualität des Vortrags von vielstimmigen Chorwerken leidet.

Das neue Jahr hat den Laubachern die erste Einladung ins Ausland gebracht: sie werden in Dänemark und Schweden singen.