Dd., Kaiserslautern

Durch die Mitte der Natur zieht sich eine Pappelschnur; links sind Bäume, rechts sind Bäume und dazwischen Zwischenräume –", diese Verse, die dem unglücklichen zweiten Ludwig von Bayern zugeschrieben werden, scheinen in den Herzen seiner einstigen Untertanen und deren Nachfahren im pfälzischen Kaiserslautern einen späten Widerhall zu finden. Hier hat sich nämlich eine Gesellschaft zur Aufzucht von Jungpappeln gebildet, die bemüht ist, in den nächsten Jahrzehnten die letzten Zwischenräume zwischen den bei den deutschen Forstverwaltungen wieder sehr beliebten Pappelbäumen auszufüllen.

Und dies nicht etwa nur zur Verschönerung der Natur. Die Mitglieder der Gesellschaft zahlen monatlich 50 DM zur jährlichen Anpflanzung von 60 Pappeln, das heißt in 20 Jahren 12 000 Mark. Von diesem Zeitpunkt an haben die Pappel-Antcilscheins-Inhaber eine Monatsrente von über 350 DM zu erwarten, die aus dem Reinerlös der herangewachsenen Bäume bestritten wird. Die mehr als 30prozentige Verzinsung entspricht der Schnellwüchsigkeit der Pappel, die alle anderen Laub- und Nadelbäume weit in den Schatten stellt. Sie ist bei vielen notwendigen Aufforstungen willkommen.

Von Monarchen und Feldherren früherer Jahrhunderte (insbesondere von Napoleon) bereits in Reih und Glied kommandiert, ist die Pappel nun in die Sklaverei des Kapitals geraten. Der von ihr produzierte Mehrwert wirft den Pappelaktionären Rente ab.