Madame Helena Rubinstein (Prinzessin Gourielli) bittet ihre Freunde zu einem Empfang." Ich war da und bin seit gestern cosmetic-conscious – kosmetik-bewußt, und das heißt ein potentioneller Kunde der "First lady of beauty". Vielleicht werde ich eines Tages auch genau so selbstverständlich zum "beauty shop" wie zum Friseur gehen. Wie rückständig wir deutschen Männer doch noch sind: Wir genieren uns, uns von einem Kosmetiker die Augenbrauen behandeln oder uns zwecks Faltenbeseitigung eine Gesichtsmaske aufsetzen zu lassen. Es schickt sich nicht für einen Mann, sein Aussehen durch Make-up zu verbessern. Indessen: Madame Rubinstein hat mich von diesen Hemmungen befreit. Sie versteht ihr Geschäft.

"Erfüllt von ihrer Mission, begründete die bekannte Kosmetikerin mit einer einzigen Creme ihr Weltunternehmen", sagte ihr Deutschland-Vertreter, als er im Hotel Atlantik in Hamburg "die große Ehre" hatte, uns "eine Dame vorzustellen, deren Namen zu den bekanntesten der Gegenwart zählt". Deutschland ist für sie noch ein junger Markt. Erst ganze zwei Jahre alt. Aber schon bestehen etwa 250 Depots, und ein Experte versicherte mir, daß die Umsätze schon die Millionengrenze überschritten haben dürften. Die D-Mark ist harte Währung geworden, und Madame Rubinstein weiß das zu würdigen. Sie möchte, daß wir Deutschen in noch größerem Maße der Segnungen der Kosmetik teilhaftig werden. Das kostet nur eine Kleinigkeit: "10 bis 12 Mark monatlich sollte eine Frau für Kosmetik ausgeben. Lieber einmal weniger ins Kino gehen." Andachtsvoll hingen die deutschen Freundinnen und Freunde an den Lippen ihrer Meisterin, die mit unendlicher Geduld und sehr viel Würde das Kreuzfeuer der Fragen über sich ergehen ließ. Ebenso würdevoll hielt sie das pausenlose Feuerwerk der Photographen aus. Gelegentlich nippte sie an einem Glas Wasser. Die Gäste tranken Manhattan und aßen Häppchen.

Kosmetik ist nicht nur für die Upper Ten Thousands, sie ist für alle da. Wir befinden uns jetzt, so erfuhr ich, in der "Epoche der Vulgarisierung der Kosmetik", der Verbreitung bis ins letzte Dorf. 45 000 Arbeiter und Angestellte in dem Weltunternehmen Rubinstein arbeiten für dieses Ziel. "Ich könnte mich zur Ruhe setzen", sagte Madame, "aber ich arbeite härter als alle anderen." Bald wird sie die Frauen der Welt mit einer Neuheit aus ihrer Retorte überraschen, die, wie mir die französische Generalvertreterin versicherte, "eine Revolution in der Kosmetik sein wird". Bekanntlich eignet sich nicht jede Creme für jede Haut. Madame Rubinstein nun bringt eine Creme heraus, die für jede Haut geeignet ist. Seit zweieinhalb Jahren wird in den Laboratorien daran gearbeitet. Noch ist alles ein Geheimnis – wegen der Konkurrenz. Aber soviel durfte man erfahren, daß die Creme "aus Stoffen besteht, die bisher nicht in der Kosmetik verwendet wurden, und eine ausgleichende Funktion haben wird".

Madame Rubinstein, die ihr Alter von 84 Jahren mit 72 angibt, ist selbstverständlich eine sehr gepflegte Erscheinung – vom schwarzen, nach hinten geknotetem Haar bis zu den zierlichen Pumps. Kerzengerade ist ihre Haltung. Man sieht’s ihr an, daß sie sich auf big business versteht –, eine Frau ohne Sentimentalitäten. "Wo wohnen Sie, Madame?" – "Überall." Das Geheimnis ihres Erfolges: "Es kommt nicht darauf an, wie der Topf aussieht. Es kommt darauf an, was drin ist."

"Welchen Eindruck haben Sie von der deutschen Frau?" Antwort: "Die deutsche Frau ist seht gut und sehr individuell gepflegt."

"Darf eine gepflegte Frau Sommersprossen haben?" Antwort: "Wenn sie der Frau stehen, müssen sie getragen werden."

"Meinen Sie nicht, daß die deutsche Frau etwas mehr Make-up vertragen könnte?" Antwort: "Etwas, ja."