Im Herbst 1954 soll der dritte Landtag Hessens gewählt werden. CDU und FDP haben bereits im Landtag beantragt, die Regierung möge erklären, ob sie Wahlrechtsänderungen vorschlagen will. Die SPD sagte, darüber lasse sich reden. 1946 war der hessische Landtag nach den Grundsätzen der reinen; Verhältniswahl gebildet worden. Am 13. September 1950 aber, vor den auf Anfang November ausgeschriebenen Neuwahlen, verabschiedete der Landtag ein neues Wahlgesetz, das eine Mischung von Verhältnis- und Mehrheitswahlelementen enthielt. Nach diesem Gesetz wurde in 48 Wahlkreisen je ein Abgeordneter mit relativer Mehrheit gewählt. Die Wahl brachte den Sozialdemokraten etwas weniger als die Hälfte der Stimmen, im Landtag jedoch eine absolute Mehrheit von 47 Sitzen gegenüber 33 der übrigen Fraktionen. Diese Verschiebung, zugunsten der stärksten Fraktion war eine Folge der Mehrheitswahl-Elemente im damaligen Wahlrecht. Nun haben die Bundestagswahlen vom 6. September 1953 gezeigt, daß die SPD durchaus nicht mehr mit Sicherheit auf die Mehrzahl der Direktmandate rechnen kann. Aber auch die CDU ist nicht sicher, daß ihr Stimmenzuwachs ausreicht.