Das vielberedete Seifenkartell wird in Kürze perfekt sein. Es soll seiner inneren Konstruktion nach einen Marktverband darstellen, durch den der Wettbewerb nicht ausgeschaltet, sondern nur Auswüchse der Konkurrenz beseitigt werden sollen. Feste Preise werden nicht gesetzt, vielmehr werden Selbstkostenspiegel geschaffen, die jeweils die Selbstkosten bei einem der besten und bei einem der guten Mittelbetriebe zeigen. Die des besten Betriebes dürfen von den Mitgliedern der noch zu gründenden "Firmengesellschaft Konsumseife e. V." nicht unterschritten werden, die des mittelguten Betriebs haben nur informativen Charakter. In Kreisen der Seifenwirtschaft hofft, man, daß durch diese Maßnahmen die gegenüber, 1950 um etwa 40 v. H. abgesunkenen Preise auf ein erträgliches Niveau angehoben werden. Eine fühlbare Belastung des Konsumenten wird hiermit nach Auffassung des Seifenverbandes nicht verbunden sein. Werden die Preise für Konsumfeinseife, Konsum-, kernseife und Konsumschmierseife im Schnitt um 20 v. H. erhöht, so macht dies je Kopf der Bevölkerung im Monat nur 5,6 Pfg. aus, ein Betrag, den die Hausfrau bei ihren Einkäufen im allgemeinen nicht besonders beachten dürfte. Auf dem neuen Niveau soll einem Leistungswettbewerb, der vor allem in der Qualität ausgetragen werden wird, freier Lauf gelassen werden. Weiterhin ist daran gedacht, daß von dem Kartell für jedes Kilo gefertigter Seife ein Krisenpfennig erhoben wird. Mit den hier zusammenkommenden und nicht unerheblichen Mitteln sollen nicht nur die Verwaltungskosten des Kartells bestritten, es soll vor allem auch ein Fonds angesammelt werden, dessen Zweckbestimmung der Ankauf von Fabrikationseinrichtungen solcher Betriebe ist, die aus der Fertigung ausgeschlossen sind. Letzten Endes ist nämlich die ganze Misere in der Seifenindustrie auf große Überkapazitäten zurückzuführen.

Mit diesem Kartell werden also lediglich die krisenhaften Erscheinungen der vergangenen Jahre gemildert; keineswegs aber wird die Seifenindustrie in das Prokrustusbett einer starren Kartenordnung gezwängt. Der Erfolg wird beweisen, ob hier ein gangbarer Weg beschritten worden ist. –eb