Vor einigen Tagen erhielten wir den Brief eines deutschen Auslandskaufmannes aus Übersee. Darin wird Klage geführt über das ungeschickte Auftreten vieler Deutscher im Ausland. Da sich dieses Schreiben in eine lange Reihe ähnlicher Äußerungen einreiht, sollen einige Stellen dieses Briefes zitiert und an jene Adresse gerichtet werden, die es angeht.

Es heißt da, daß der deutsche Ingenieur und Kaufmann im Ausland bewundert und mit Sympathie umgeben wird, weil der Aufstieg Westdeutschlands in den letzten fünf Jahren die Achtung vor dem Deutschen wiedergebracht habe. Aber: "Das deutsche Wunder beginnt vielen Deutschen offenbar in den Kopf zu steigen, und es ist zu beobachten, daß viele, die aus Westdeutschland zu uns nach Übersee kommen, von sich und unserer Heimat mehr oder weniger bewußt nur noch in Superlativen sprechen. Diese Superlative aber sind es in nicht allzuweiter Vergangenheit gewesen, die uns die Freunde wieder haben verlieren lassen... Es wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn man in der Heimat angesichts der Erfolge nicht versäumt, nüchtern zu bleiben und nicht zu vergessen, daß oft ehrliche, Sympathien durch ungeschickte Bemerkungen und Handlungen verlorengehen. Bei der Stellung, die Westdeutschland heute im Welthandel wieder einnimmt, wäre es dringend notwendig, daß nicht nur um den Auftrag, sondern auch um die Sympathie des Käufers geworben wird. Ebenso wichtig aber ist es ferner, die erworbenen Sympathien zu erhalten und zu pflegen und nicht so großspurig aufzutreten."

Der Überseekaufmann betont, daß unsere Handespartner nicht nur auf Zahlen, sondern auch auf das psychologische Element im gegenseitigen Verkehr Wert legen. Hieraus erwachsen zwei Aufgaben, die jede am Export interessierte Firma sich stellen sollte, nämlich: sehr sorgfältige Auswahl der Personen, die den Verkehr mit dem Ausland pflegen, und zweitens: Mäßigung und Toleranz üben, wenn von den Erfolgen der deutschen Wirtschaftsentwicklung gesprochen wird. -lt.