Es gehört zum guten Brauch, am Jahreswechsel Rückschau zu halten und Rechenschaft zu geben über das, was in den letzten zwölf Monaten erreicht wurde. So war es auch in Bremen der Fall. Die Handelskammer und der Senator für die Wirtschaft gaben daher umfassende, mit reichem Zahlenmaterial versehene Berichte heraus. Einige Zahlen seien herausgegriffen: Die Handelsflotte verzeichnete einen Zugang von 107 000 BRT, so daß Ende 1953 wieder rund 400 000 BRT unter bremischer Flagge fuhren. Allerdings ist damit erst wieder ein Drittel des Flottenbestandes erreicht worden, den Bremen vor dem Kriege besaß. Der Schiffbauausstoß der bremischen Werften wird für die vergangenen zwölf Monate mit 130 000 BRT angegeben, bei einer Gesamtzahl von rund 700 000 BRT aller Werften im Bundesgebiet.

Der Anteil Bremens ist im vergangenen Jahr allerdings auf 20 v. H. zurückgegangen (Vorjahr: etwa 25 v. H.). Das hat aber vor allem seine Ursache in dem sechswöchigen Werftarbeiterstreik im Land Bremen. Die Großwerften verfügen gegenwärtig über einen Auftragsbestand, der eine Beschäftigung von rund zwei Jahren sichert. Weniger erfreulich ist dagegen die Lage der mittleren und kleineren Werften. Durch einige Neubauaufträge, die gegen Ende des Jahres erfolgten, konnte hier eine bedrohliche Lücke vorerst ausgefüllt werden. Der Umschlagverkehr der bremischen Häfen dürfte 1953 das Jahresergebnis von 1952 (rund 9,73 Mill. t) wieder erreicht haben; doch muß dabei berücksichtigt werden, daß in der Gesamtmenge ein beträchtlicher Teil auf den Besatzungsverkehr und auf US-Kohle für Österreich entfallen und nicht als beständiger Verkehr anzusprechen sind. Als unbefriedigend wird das vergangene Jahr von der Binnenschiffahrt des Wesergebietes bezeichnet. Das gilt einmal für die ungenügende Ausnutzung der Flotte infolge des ungünstigen Wasserstandes der Weser, zum anderen in Hinblick auf die Transportleistung. Die Entwicklung der bremischen Industrieproduktion war zufriedenstellend: der Aufwärtstrend hielt weiter an; in einzelnen Zweigen war sogar ein verhältnismäßig kräftiger Aufschwung festzustellen. W. S.