Der Besuch, den der holländische Minister Mynheer J. Algera Anfang Januar der Regierung in Bern machte, galt in erster Linie der Frage eines gemeinsamen Vorgehens gegen die Bundesrepublik. Beide Länder, Schweiz und Holland, fordern nämlich, daß die unter ihrer Flagge fahrenden Schiffe berechtigt sein sollen, auf dem Rhein auch zwischen deutschen Häfen Personen und Güter zu befördern.

Die Bundesregierung hält dem entgegen, daß im Gegensatz zur Vorkriegszeit ein sehr großer Teil des deutschen Ex- und Imports über Rotterdam und Antwerpen abgewickelt wird, und daß der größte Teil dieses Transportes auf dem Rhein von Fahrzeugen unter fremder Flagge vorgenommen wird.

Unter diesen Umständen ist es ein unbilliges Verlangen Hollands und der Schweiz, auch noch auf einer Beteiligung am innerdeutschen Verkehr zu bestehen. Ganz abwegig ist es vollends, wenn in der amerikanischen Presse die Dinge so dargestellt werden, als beweise Westdeutschland durch seine Haltung in der Rheinschiffahrt, daß es im Grunde genommen gegen eine europäische Vereinigung sei! Es entbehrt nicht der Komik, wenn in diesem Zusammenhang ein Dokument Kaiser Friedrichs I. aus dem Jahre 1165, in dem der Rhein zu einem Freien und Kaiserlichen Verkehrsweg erklärt wurde, als eine europäische "Charter" im Sinne der Idee einer Integration Europas hingestellt wird. Man sollte die Ruhe des Alten im Kyffhäuser nicht stören. –r.