Dd., Ludwigshafen

Bundesbahn war der lachende Dritte beim Kampf der Rheinschiffer gegen den Strom, oder vielmehr gegen den nicht vorhandenen Strom. Denn das hartnäckigste Niedrigwasser seit fast hundert Jahren – seit dem trockenen Jahr 1858 nämlich – hatte die Binnenschiffahrt auf dem Rhein in den ersten Januartagen dieses Jahres zu einem Abenteuer gemacht. Schiffe liefen auf Grund, eine Havarie folgte der anderen.

Die Schiffsfrachten lagen deshalb mit 80 Prozent "Kleinwasserzuschlägen" wesentlich über dem Eisenbahntarif. Schon sah die Bahn ein großes Geschäft, das ihr helfen sollte, das schlimme Defizit zu decken – ein Geschäft nicht nur aus den normalerweise in den Industriegebieten Mannheim-Ludwigshafen und dem Rhein-Main-Dreieck anfallenden Transporten, sondern auch aus Sendungen französischer und saarländischer Herkunft, die bei normalem Rheinwasserstand über Straßburg gelaufen wären. Aber in den letzten Tagen nähert sich der Pegelstand schon wieder der Normalgrenze, und der Bundesbahn ist der erwartete große Gewinn im wörtlichen Sinne – davongeschwommen.

Die Lademeister in Ludwigshafen, die drei Zollämter und das Personal der Reedereien atmen auf. Denn das Niedrigwasser hatte nicht etwa eine stille, sondern eine ungewöhnlich arbeitsreiche Zeit für sie alle gebracht; da die Schiffe nur bis zu einem Drittel oder bis zur Hälfte beladen werden konnten, und da die Frachten aus Frankreich und von der Saar hinzukamen, da die Havarien und Notentladungen sich häuften, hatten sie kaum eine ruhige Nacht. Innerhalb von einem halben Monat meldete eine große oberrheinische Reederei mehr Schadensmeldungen, als sonst in einem Vierteljahr.