bl. Hannover

Domänenpächter Schröder und das Land Niedersachsen haben sich über einen Schadenersatz in Höhe von 1,5 Millionen DM geeinigt. Schröder hatte die Domäne St. Ludgeri in Pacht gehabt und war nach dem Zusammenbruch offenbar in sehr einseitiger Weise "entpachtet" worden. Schröder ließ sich die bundesländliche Enteignung nicht gefallen: er kämpfte bis zum Bundesverfassungsgericht um einen Schadenersatz und gewann. Schröder ist nicht der einzige rechtmäßige Domänenpächter in Niedersachsen, der 1945 durch nicht immer einwandfreie Elemente plötzlich abgelöst wurde:

Da steht Fall Stegmann von der Staatsdomäne Düstertal (Kr. Gandersheim) bereits beim Oberlandesgericht in Braunschweig als Berufungsinstanz zur Verhandlung. Stegmann war zwar vor 1933 Parteimitglied gewesen, saß aber drei Jahre im KZ., weil er Julius Streicher geohrfeigt hatte. Nach 1945 befreit, konnte sich Stegmann nacht mehr lange über das Unrecht der Enteignung ärgern, er verstarb bald. Die Witwe Emmy Stegmann aber kam beim Amtsgericht Gandersheim mit ihrer Forderung auf Schadenersatz wegen Nichterfüllung eines Pachtvertrages durch. Das Land Niedersachsen legte dagegen Berufung beim Oberlandesgericht Braunschweig ein. Nach acht Jahren waren die Einzelheiten nicht mehr ganz zu klären. Die Zeugen der Regierung aber sagten übereinstimmend aus, daß sie auf Anweisung der Engländer gehandelt hätten. Ein Zeuge, der im Sommer 1945 nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft auf der Domäne vorübergehend Unterkunft gefunden hatte, bekundete, daß Frau Stegmann nach der Verhaftung ihres Mannes erschüttert und eingeschüchtert gewesen sei und so notgedrungen die Unterschrift unter das Übergabeprotokoll gesetzt habe. Der Senat des Oberlandesgerichtes setzte nun keinen neuen Termin an, um den beiden Parteien Gelegenheit zu geben, zu dieser Beweiserhebung Stellung zu nehmen. Inzwischen aber ist der Fall Schröder positiv entschieden worden. Das dürfte auch für die Witwe Emmy Stegmann Grund zur Hoffnung sein.