o. m. Bremen

Für den 53 Jahre alten Käpt’n Harm Wiese aus Großefehn bei Aurich in Ostfriesland ist der 28. Januar ein großer und froher Tag: als erfolgreichster Schiffsführer der Loggerflotte wird er – nun schon zum drittenmal – vom Senat der Stadt Bremen im Einvernehmen mit dem Verband der deutschen Heringsfischereien im Rahmen eines Festaktes im Rathaus zu Bremen zum "Heringskönig", diesmal für das Jahr 1953, gekrönt. Harm Wiese wird diese Würde zuerkannt, weil er in der Fangsaison des vergangenen Jahres von allen seinen Kameraden die größte Fischmenge an Land brachte. Auf acht Reisen mit seinem 1950 erbauten und 328 BRT großen Motorschiff Justizrat Klasen, das der Leerer Fischerei-A.G. gehört, hat er nicht weniger als 12 169 Kantjes (für die Landratten, die nicht wissen, was das ist: Seefässer) mit Heringen gefüllt. An seiner feierlichen Ernennung zum "Heer ringskönig 1953", die mit der Überreichung des-"Silbernen Herings" an der silbernen Kette verbunden ist, nimmt Stadt und Land Bremen, die ganze Fischereiwirtschaft und auch die Bevölkerung der Nordseeküste Anteil, auch wenn sie nicht an der "königlichen Fischtafel" anwesend sein kann, die im Hauff-Saal des Ratskellers den Abschluß der Krönungsfeierlichkeiten bildet.

Wie groß der Erfolg des tüchtigen Kapitäns Harm Wiese ist, lassen die Vergleichszahlen der Bilanz erkennen, die an der Waterkant um die Zeit der Bestimmung des Heringskönigs über das gezogen wird, was im verflossenen Jahr in der Heringsfischerei dieses Raumes insgesamt geleistet worden ist: die 97 Logger der großen Fischereien in Bremen-Vegesack, Leer, Glückstadt und Emden erzielten in der Saison von Juni bis Dezember 1953. auf alles in allem 674 Fahrten ein Fangergebnis von 574 983 Kantjes. Dieser Ertrag lag um 11 683 Kantjes über dem Fangergebnis des Jahres 1952, obwohl 1952 mit 100 Loggern 679 Reisen durchgeführt worden waren. Im einzelnen erzielten die 43 Vegesacker Logger mit 299 Reisen ein Fangergebnis von 235 655 Kantjes, die 30 Emdener Logger fingen auf 207 Reisen 180 017 Kantjes, die in Leer beheimateten 17 Logger brachten von 122 Reisen 114 318 und die 7 Glückstädter Logger von 46 Reisen 44 992 Kantjes an Land. Viel beachtet wird, daß der hohe Fangertrag des Jahres 1953 trotz einer Verkleinerung der Loggerflotte zustande kam: es wurden im Gegensatz zu früheren Jahren mehr lange Reisen unternommen und daher mehr volle Ladungen heimgebracht. Hinzu kommt, daß die Qualität der Fische im Durchschnitt gut war. Ebenfalls gut war der Absatz, auch ins Ausland, aber er war nicht so gut, daß alle Fische verkauft werden konnten, 4000 t blieben übrig. Zu den wichtigsten Absatzländern gehörten im Berichtsjahr 1953 zum erstenmal Israel und Rumänien.

Auf dem Heringsmarkt der Bundesrepublik Deutschland machte sich das Angebot ausländischer Salzheringe stark bemerkbar. Es ist deshalb der Wunsch der Heringsfischer, daß der Zollschutz möglichst bald verstärkt wird. Notwendig ist ferner die Modernisierung der Loggerflotte, denn das Durchschnittsalter ihrer Fahrzeuge ist 21 Jahre. Ein vom Verband der Heringsfischer ausgearbeitetes Neubauprogramm, über dessen Verwirklichung das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu entscheiden hat, schlägt den Bau von 30 Loggern, durchweg Motorschiffen, innerhalb von fünf Jahren vor.

Die See holte sich auch im letzten Jahr ihre Opfer unter den Fischern. Dem Fischdampfer Auguste Kämpf gingen drei Besatzungsmitglieder, dem Dampfer Brahe ein Matrose in den schweren Dezemberstürmen in den Gewässern des "Rosengartens" vor Island, trotz aller Rettungsversuche ihrer Kameraden, verloren.