Tag für Tag kamen im Jahre 1951 nicht weniger als 22 Menschen durch Verkehrsunfälle ums Leben. Jm Jahre 1952 wurden es täglich 23 Menschen. Im Jahre 1953 starben täglich 29 Menschen den "Verkehrstod".

Es gibt eine andere, statistische Reihe, die für eine. Zeitspanne von neun Monaten (vom 1. Januar bis zum 30. September 1953) darstellt, welchen Anteil die einzelnen Gruppen der Verkehrsteilnehmer an der Gesamtzahl von 5478 Todesfällen hatten: es starben 2952 Motorradfahrer, 1215 Kraftwagenfahrer, 1425 Radfahrer, 2240 Fußgänger, 203 andere Verkehrsteilnehmer.

Im gleichen Zeitraum wurden 230 295 Menschen durch Verkehrsunfälle verletzt: 92 649 Motorradfahrer, 36 306 Kraftwagenfahrer, 53 494 Radfahrer, 43 881 Fußgänger, 3965 andere Verkehrsteilnehmer. "Andere" Verkehrsteilnehmer sind Kutscher von Pferdewagen, Straßenbahnpersonal oder Leute, die Handwagen zögen.

Diese Statistik enthüllt sofort, daß die Motorradfahrer am meisten gefährdet sind. Ins richtige Licht kommt dies aber erst bei Berücksichtigung folgender Tatsachen: Motorräder sind in der Regel nur von einer, höchstens jedoch von zwei Personen besetzt; der Gesamtbestand an zugelassenen Motorrädern in der Bundesrepublik ist um die Hälfte niedriger als der an Personenautos und Lastkraftwagen; Kraftwagen befördern oft bis zu sechs Personen (Autobusse sind hier außer Betracht gelassen ) Dennoch ist die Todeszahl der Motorradfahrer zweieinhalbmal höher als die der Autofahrer.

Wer hat die Schuld an diesem tausendfachen Sterben? Jede gründliche Untersuchung der Schuldfrage setzt eine Feststellung der Unfallursachen voraus. Dabei ergibt sich, daß in der Regel jeder Verkehrsunfall nicht eine, sondern mehrere Ursachen hat. So wurde ermittelt, daß im Jahre 1953 je 100 Unfälle 151 Ursachen hatten.

In der Zeit vom 1. Januar bis 30. September des Jahres 1952 waren auf technische Mängel der Fahrzeuge etwas mehr als 2 v. H. der Unfälle zurückzuführen; ebenfalls in der gleichen Zeit des Jahres 1953. Auf Nichtbeachtung des Vorfahrtsrechtes beruhten 1952 etwas mehr als 13 v.H. der Unfälle, 1953aber nur 10 v. H. Falsches Einbiegen verschuldete im Jahre 1952 fast 7 v. H. der Unfälle, 1953 jedoch nur 5 v. H. Falsches Überholen hatte 1952 an 16 v.H. der Unfälle die Schuld, jedoch 1953 nur zu 11 v.H.

Schon diese Zahlen zeigen, daß im Jahre 1953 – der ansteigenden Unfallkurve zum Trotz – besser gefahren wurde als im Jahre 1952. Allerdings: 1952 wurde nur ganz allgemein "übermäßige Geschwindigkeit" als Unfallursache registriert: 6 v. H der Unfälle. 1953 aber.lautete die Begriffsbestimmung "Übermäßige Geschwindigkeit unter Berücksichtigung der Umstände, zum Beispiel Verkehrsdichte, Witterungsverhältnisse". Darunter wurden im Jahre 1953 (immer für die Zeit vom 1. Januar bis 30. September) insgesamt 9 v. H. aller Straßenverkehrsunfälle gezählt. Übrigens heißt es in der gleichen Statistik, daß "Fahrer unter Alkohol" 1952 fast 4 v. H. der Unfälle verursachten, 1953 jedoch nur 3 v. H. Radfahrer verursachten 1952 mehr als 9 v. H. der Unfälle. 1953 sogar 11 v. H. Fußgänger hatten 1952 an