Z., München

Die unbekümmerte "Regierungserklärung" des Münchner Faschingsprinzen: das Tragen von Eheringen sei für die Dauer der Narretei "nicht gerade verboten", aber es empfehle sich, sie in Hand- und Hosentaschen zu verwahren, hat besorgte Kommentare hervorgerufen. Nicht nur der Familienbund Deutscher Katholiken hat warnend seine Stimme erhoben; auch der sozialdemokratische Innenminister Hoegner ist entrüstet; er bedauerte gar, daß es gegen die Herabsetzung unserer höchsten Kulturwerte kein Strafgesetz gebe. "Ich bin dafür", erklärte er – und zeigte in seiner Formulierung nicht mehr Geschmack als der Narrenprinz –, "daß die verheirateten Männer bei ihren Frauen auf ihre Rechnung kommen und nicht in fremde Gärten spazieren." Und dann erließ er eine strenge Verordnung an die Polizei, die Sittlichkeit zu schützen und gegen Verfehlungen mit Nachdruck einzuschreiten.

"Obacht, der Hoegner schaugt zua", ertönt jetzt der Warnungsruf, wenn es einmal lustig zugeht, beim "Kußwalzer" zum Beispiel. Skeptiker allerdings behaupten, der Minister habe nicht nur aus Herzensnot, sondern auch aus dem Bedürfnis gehandelt, dem CSU-Partner strenger Observanz in der alternden Regierungskoalition eine Freundlichkeit zu erweisen.