Mit der Erfindung der Langspielplatte und mit ihrer technischen Vervollkommnung während der letzten beiden Jahre ist die Konservierung musikalischer Darstellungen in eine neue Epoche eingetreten. Den künstlerischen Möglichkeiten wurde durch den nahezu völligen Fortfall der Unterbrechungen eine neue Dimension eröffnet: die der organischen Geschlossenheit. Auf der anderen Seite hat aber angesichts der hohen Preise dieser Platten und der langen Geltungsdauer, die man von ihnen erwartet, auch das Problem der richtigen Auswahl an Schwierigkeit zugenommen. Wir glauben es daher jetzt an der Zeit, unseren Lesern eine regelmäßige Berichterstattung darbieten zu sollen. Hierbei kommt es uns weniger darauf an, Mängel bloßals vielmehr gute Leistungen herauszustellen. Wir werden daher von vornherein nur solche Aufnahmen besprechen, und darunter gelegentlich auch ältere, deren technisches und musikalisches Niveau außer Zweifel steht.

Bei der bibliographischen Bezeichnung der Aufnahmen halten wir uns bis auf weiteres an den von der Bielefelder Verlagsanstalt herausgegebenen Sammelkatalog "Die Langspielplatte".

Das hinter uns liegende Schubert-Gedenkjahr hat einige Aufnahmen gebracht, die verdienen, noch nachträglich genannt zu werden.

Franz Schubert: Streichquartett in G-Dur, op. 161. Gespielt vom Amadeus-Quartett (DG 18 010 LPM).

Anscheinend trauen sich die Quartettvereinigungen an die immensen Schwierigkeiten dieses von der Schallplatte bisher vernachlässigten Werkes nicht gern heran. Nun wird es uns aber endlich in einer klanglich strahlenden Wiedergabe zugänglich gemacht. Glaubte die Musikwissenschaft dieses Quartett oft als "verkappte Symphonie" bezeichnen zu sollen, so beweist das hinreißende Spiel der Amadeus-Leute zum Überfluß, daß der Symphoniker Schubert sehr wohl gewußt hat, was er tat. als er die artikulierte Dialektik des Allegro, die Beklemmung des Andante, aber auch den sonderbar prickelnden Irrlichtertanz am Schluß des Werkes lieber einem kammermusikalischen Ensemble anvertraute als dem Orchester.

Als Stiefkinder wurden bisher auch Schuberts Messen behandelt. Wie sehr zu Unrecht, sehen wir an einer vortrefflichen Aufnahme:

Franz Schubert: Messe in Es-Dur. Wiener Akademie-Kammerchor, vier Solisten und Wiener Symphoniker. Leitung: Rudolf Moralt (Vox PL 7840).