Am Tage, an dem Molotow in Berlin eintraf, wurde den Hörern des UKW-Nord eine Umfrage bei den Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen über die deutschen Wünsche an die Berliner Konferenz geboten. Die Zeit, die man dafür dem Vorsitzenden der SPD eingeräumt hatte, kam ungefähr der Summe der Zeiten gleich, die v. Brentano, Dehler, Hassler und v. Merkatz zur Verfügung hatten, ganz nach dem Muster Molotows, der für sich die gleichen Rechte in Anspruch nahm, die er den anderen drei zusammen zugestanden hatte. Immerhin, was Ollenhauer sagte, war wohlabgemessen und vorsichtig formuliert. Nur wer geschult genug war, Untertöne mitzuhören, konnte die Genugtuung erkennen, die der SPD-Vorsitzende darüber empfand, daß seine Obstruktion gegen die Ratifizierung der EVG-Verträge die Lage für die Berliner Konferenz offengelassen habe, und nur zwischen den Zeilen deutete sich die Perspektive an, die – entgegen wenigstens der gemeinsamen Versicherung der westlichen Außenminister und des Bundeskanzlers – die EVG-Verträge denn doch als Tauschobjekt für die Wiedervereinigung Mittel- und Westdeutschlands einsetzt.

Das Porzellan der Berliner Konferenz bekam also von der Seite der SPD aus nur einige Sprünge, und auch der Eindruck, den ein kleiner faux pas des Westberliner "Telegraf"-Chefredakteurs, Arno Scholz, beim allsonntäglichen "Journalisten-Frühschoppen" des NWDR-Fernsehens und -Hörfunks machte (Scholz sagte, die Russen hätten "von ihrem Standpunkt aus ganz recht, wenn sie die Aufstellung einer deutschen Armee fürchteten") –, auch dieser Eindruck ging nicht sehr tief, um so weniger, als die Fernsehzuschauer dem Berliner SPD-Journalisten den Schrecken über seinen eigenen Lapsus deutlich genug anmerkten.

Was soll man aber zu dem Kommentar sagen, den Walter von Cube, der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, bekannt durch sein schönes Wort, es sei "selbstmörderische Humanität", wenn die Bundesrepublik die Flüchtlinge aus der Sowjetzone aufnehme und versorge, bekannt auch durch seine Sendung "Die Saar – La Sarre", die das Saargebiet Frankreich zusprach – den also dieser Walter von Cube am Vorabend der Berliner Konferenz über seinen Sender gab? Er proklamierte zwar nicht den grundsätzlichen Verzicht auf die EVG, wohl aber den auf die Wiedervereinigung. Dem Bewohner Westdeutschlands sei "sein eigener Herd lieber als eine gesamtdeutsche Zentralheizung, wie sie in Berlin beschlossen werden soll". Ja, er behauptete sogar, eine Einigung der vier Mächte über die Deutschlandfrage hieße, "daß wir 1954 den Krieg ein zweites Mal verloren haben".

Einer ist es, der solche Worte gern hört: Molotow. Denn er hat nun einen Zeugen für seine Behauptung, daß man in Westdeutschland einseitig nach Westen orientiert sei. Freilich ist Molotow gewiß nicht der Auftraggeber Cubes. Das sind die Leute, die den status quo verewigen möchten, weil ihnen an der Spaltung Deutschlands liegt, cel