Die Pflege des Exportgeschäftes, insbesondere nach den nord- und südamerikanischen Staaten, ist der Rüdesheimer Weinbrennerei Asbach & Co., die sich bezeichnenderweise noch vor der Jahrhundertwende Exportcompagnie für deutschen Cognac nannte, schön seit langem zur Tradition geworden. Ein Mitglied der Firmenleitung hat mehrere Monate in den USA nach neuen Möglichkeiten zur Intensivierung des deutschen Weinbrandexportes gesucht. Kürzlich ist nun auch ein Mitarbeiter der Exportabteilung von einer Reise durch Kanada zurückgekehrt. Sie wurde im Auftrage der Firmen Asbach & Co., Rüdesheim (Asbach-Uralt), H. C. König "Urquell", Steinhagen (Steinhäger), Kammerkirsch A.G., Karlsruhe (Schwarzwälder Kirsch, Himbeergeist), und Gebr. Macholl, München (Likör), durchgeführt. Veranlassung hierzu gab die Beobachtung einer zwar langsam, aber stetig wachsenden Nachfrage nach deutschen Spirituosen in den Kreisen der deutschstämmigen Bevölkerung dieses Landes. Kanada zählt rund 14 Millionen Einwohner, davon sind 500 000 deutscher Herkunft. Die derzeitige jährliche Einwanderungsquote für Deutsche beträgt 35 000.

Diese deutsche Bevölkerungsgruppe ist nicht nur der Goodwill-Träger für deutsche Exportwaren allgemein, sondern auch für den deutschen Spirituosenexport nach Kanada in ganz besonderem Umfange bestimmend. Allerdings gibt es noch Schwierigkeiten zu überwinden, die in dem kanadischen System des staatlichen Spirituosenverkaufs (Liquor Control Board) mit seinen Begleiterscheinungen – Spirituosen und Weine werden nur an Volljährige gegen Vorlage einer Bezugskarte ausgegeben, der Alkoholgenuß ist nur zu Hause erlaubt und es besteht ein Werbeverbot in Presse und Rundfunk für Spirituosen aller Art sowie in dem noch immer vorherrschenden puritanischen Denken begründet sind.

Wie die Untersuchungen aber ergeben haben, bietet die Erschließung des kanadischen Marktes der deutschen Spirituosen-Industrie gewisse Chancen die sie nicht ungenutzt vorübergehen lassen wird, zumal die kanadische Regierung bemüht zu sein scheint, die Schwierigkeiten zu beseitigen oder zu mildern, die heute noch viele Firmen daran hindern, am Wettbewerb auf dem kanadischen Markt teilzunehmen. Das Rüdesheimer Unternehmen, das seit Jahrzehnten den Export deutschen Weinbrands insbesondere nach den USA pflegt, hat in den vergangenen Jahren einen ständigen Anstieg seiner In- und Auslandumsätze verzeichnen können. Nach den vorliegenden Unterlagen des Statistischen Bundesamtes konnte die Firma auch 1953 ihren Exportstand halten. E. R. M.