Bei der Namengebung der Kinder spielte die Politik schon immer eine Rolle. Das bestätigen die Standesämter in allen Teilen Deutschlands. Im alten Preußen waren die Wilhelme und die Friedriche dicht gesät, im alten Österreich die Franzl, und wer hätte gar seine Tochter Luise oder Theresel nennen können, ohne an die berühmten Trägerinnen dieser Namen, die preußische Königin und die österreichische Kaiserin, zu denken? In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, daß der Vorname Adolf seit 1945 aus den Taufbüchern Österreichs verschwunden ist und auch in Deutschland kaum noch vorkommt. Im Jahre 1953 wurden Kinder auffallend häufig Konrad genannt, der an den Vornamen des Bundeskanzlers anknüpft.

Doch ist es nicht nur die Politik, die Namen in und außer Mode bringt. Wer möchte heute noch seine Kinder Emil oder Gustav, wer seine Tochter Thekla oder Ernestine nennen. Auffallend häufig sind noch immer Hans und Klaus, Dieter und Jürgen, Rolf und Wolfgang. Bei den Mädchen führen Sylvia, Renate und Brigitte. Auch im vergangenen Jahr waren es die gebräuchlichsten Modenamen.

Seinerzeit brachte die Mode des Nordischen eine Fülle bisher ungebrauchter Namen: Gudrun, Gothelinde, Rüdiger. Diese Mode ist noch nicht am Ende, aber es überwiegen jetzt Peter und Christine, Marion und Monika, Michael und Christa – Namen christlichen Ursprungs. Maria ist einer der wenigen Namen, die sich im Laufe der Jahrhunderte ständig weiter verbreiteten und nicht an Gehalt und Frische eingebüßt haben.

Viele Eltern meinen, bei der Namengebung Rücksicht auf Großeltern, Tanten, Onkels oder Paten nehmen zu müssen. Nach wie vor spielen aber außerdem sowohl Originalitäts- wie Unauffälligkeitsbestrebungen bei der Namenwahl eine große Rolle. Der Wunsch nach genauer Kenntnis der Herkunft und Bedeutung der Namen, den man seinen Kindern zudenkt, ist selten vorhanden.

In der Regel ist es ein Bedürfnis, Kindern wohlklingende Namen zu geben, weil vielleicht mancher Vorname seinem Träger eine Art Leitbild für sein Verhalten sein könnte.