Der Partisanenkrieg ist kein feiner Krieg, und Partisanen sind keine feinen Leute. Aber der Partisanenkrieg war eine Realität (die, wie man befürchten muß, auch noch eine große Zukunft haben könnte), und so kann er sehr wohl Objekt eines Films sein. Vielleicht dachte Helmut Käutner, als er zwischen Mostar und Dubrovnik den Film "Die letzte Brücke" drehte, daß man sich selbst nach den schrecklichsten Auseinandersetzungenwieder vertragen muß. Die Story seines Films ist also versöhnlich, die Columbia Filmgesellschaft, die den Film verleiht, gibt sie wie folgt wieder:

Eine junge deutsche Ärztin, die in einem deutschen Lazarett im Partisanenkampfgebiet arbeitet, wird von einer jugoslawischen Partisanengruppe entführt, deren Kommandeur schwer verletzt worden ist und operiert werden muß. Die junge Frau (Maria Schell) leistet dem Gegner ärztliche Hilfe, dann flieht sie, wird wieder eingefangen und kehrt schließlich aus Pflichtgefühl zu den Partisanen zurück, weil dort unter den Frauen und Kindern eine Typhusepedemie ausgebrochen ist. Der Kampf um die Brücke bildet den Abschluß des Films. Als die Ärztin bei dem Versuch, den Frauen und Kindern des Gegners Medikamente zu bringen, auf der Brücke von einer Kugel getroffen wird, bringt einer der Partisanen sie zu ihren Landsleuten zurück.

Die Dreharbeit, an der auch Jugoslawen teilnahmen, wurde nach Berichten der Filmpresse von den jugoslawischen Behörden und von der Bevölkerung freundlich unterstützt. Weniger freundlich sind aber die kommunistischen Partisanenkreise selbst in den Deutschen. Die Belgrader Politika veröffentlichte, als die Dreharbeiten gerade beendigt waren, einen langen ebenso kritischen wie komischen Bericht aus Mostar gegen diesen Film und gegen das Auftreten der deutschen Filmleute.

"Es wird behauptet", heißt es darin, "daß die Grundlage des Films die Humanität sei und daß dieser Film die beste Möglichkeit darstelle, unseren Volksbefreiungskampf in der westlichen Welt bekanntzumachen. Indessen, nach den Darstellern, die ausgewählt wurden, scheint eher der Eindruck berechtigt, daß man etwas anderes vorgehabt habe. Unmöglich ist es, daß ein Schauspieler aus der Schweiz einen Partisanenkommissar aus der Vierten feindlichen Offensive getreu darstellen kann. Wie kann es weiterhin notwendig sein, Schauspielerinnen aus Deutschland herzubringen und daß ciese sogar unsere edlen jugoslawischen alten Frauen carstellen! Mußte man Deutsche holen, um unseren Volksbefreiungskampf zeigen zu können ...?"

"Es gibt da noch eine ganze Reihe von Unklarleiten. Die Partisanen zum Beispiel greifen hauptsächlich aus dem Hinterhalt an. Dazu kommt, daß die Schauspielerin Maria Schell ein Tagegeld von 2500,– Dinar (etwa 25,– DM) erhält, daß aber das Tagegeld für unseren jugoslawischen Mann, der immer in der kalten Neretwa stehen muß, nur 500,– Dinar (5,– DM) beträgt. Die Leitung der deutschen Filmgesellschaft wollte ihre Pläne dem Mostarer Theater nicht anpassen, dem sie die Schauspieler wegnahm, so daß es in eine sehr schwierige Lage geriet."

"Die Haltung der ausländischen Filmleute gegenüber den unseren zeigte wenig Hochachtung. Schon zu Beginn der Filmarbeiten kam es zu Unzufriedenheiten, weil die Deutschen bei einer Massenszene von Bauern die Leute so auswählten, daß sie ein möglichst negatives und primitives Bild gaben. Dieselben Deutschen haben kulturlos eine Othello-Premiere in Mostar verlassen und haben hinterher noch erzählt, daß ihnen das Stück nicht gefallen habe ..."

"Wie können solche Leute Humanität darstellen? Und was ist das für eine Humanität: Eine gefangene deutsche Ärztin heilt unsere Verwundeten, diese aber erschießen sie zum Schluß, und auf der anderen Seite werden in deutschen Krankenhäusern verwundete Partisanen kuriert! Wenn wir dem hinzufügen, daß der Regisseur ein Deutscher ist, daß der Kameramann ein Deutscher ist, daß die Darsteller der Hauptrollen Deutsche sind, daß die Art, zu filmen, deutsch ist, dann wird schon klarer, was das alles bedeutet..."