Eine australische Sozialstudentin wird gefragt, warum sie nach Beendigung ihres Studiums in London tätig sein will und nicht in Sydney oder Melbourne. Sie erwidert: "Hier hat eine Sozialarbeiterin viel geringere Möglichkeiten. Es gibt hier keine Armen, jedenfalls nicht so arme Arme wie zu Hause in England." Das ist ein Dialog aus dem Roman von

Nevil Shute: Im fernen Land (aus dem Englischen von Rudolf Frank. Steinberg-Verlag, Zürich, 353 S.).

"Zu Hause" in England", sagt die Australierin. Der Kanadier denkt nicht anders. Als Beweis wieder ein Dialog: Der jüngste Bruder, des kanadischen Gutsbesitzers Whiteoak weigert sich, länger die Schule zu besuchen, und will auf der Farm arbeiten, um Geld, zu verdienen. Der Familienälteste protestiert; er möchte ihn, wie alle Whiteoaks, in Oxford sehen. "Oxford würde ihn für das praktische Leben untauglich machen", wendet jemand ein, aber er bekommt die Antwort: "Hat es etwa mich und meine Brüder untauglich gemacht?" – Auch dies Gespräch kommt in einem Roman vor, in

Mazo de la Roche: Der Herr auf Jalna (aus dem Englischen von Maria v. Schweinitz. Hans E. Günther Verlag, Stuttgart, 343 S., Leinen 12,80 DM).

Man ist Europäer, auch wenn man Australier oder Kanadier ist.

In Französisch-Kanada spiegelt sich das dann etwa so, wenigstens wenn man dem charmanten Roman von der ehrgeizigen und bildungssüchtigen Pächtersfrau Luzina und ihren sieben nach europäischen Geisteshelden benannten Sprößlingen glauben darf, den eine französische Kanadierin geschrieben hat, nämlich

Gabrielle Roy: Das kleine Wasserhuhn (aus dem Französischen von Theodor Rocholl. Paul List Verlag, München, 236 S., Lernen 7,80 DM):