Jugendclubs und ihre Statuten

Kürzlich hatte ich Besuch von einem jungen Freund aus Amerika. Francis hieß er und war 21 Jahre. Francis erzählte mir eines Tages von seinem hobby. Er gründet Clubs. Clubs für junge Leute. Was für Clubs das waren? Nun, Francis zeigte mir seine Visitenkarte, und ich las unter seinem Namen die Buchstaben: C.F.D.G. und N.F. und C.A.A. Das waren die Abkürzungen seiner Clubs. Er hatte sie gleich mit auf seine Visitenkarte drucken lassen. Als ich ihn fragte, was diese Abkürzungen zu bedeuten hätten, lachte er mich an und sagte: „Wollen Sie Mitglied werden? Ich habe einen Club der Freunde Dizzie Gillespie, einen Nofretete-Club, eine Liga .Kampf dem Alkohol’, und wenn Sie für Filmstars schwärmen – vielleicht für Rita Hayworth – da kann ich Ihnen auch Clubs vermitteln...“

Gewiß, das ist typisch amerikanisch. Unsere Jungen und Mädchen – sagt man – haben ihre Jugendverbände und Sportvereine. Früher, um 1920, soll es freilich „Clubs“ gegeben haben, die „Teichneger“ und „Sumpfhühner“ oder ähnlich hießen. Die Mitglieder gingen „kniefrei bis zum Hals“, so las ich es im „Zwiespruch“, einer Zeitschrift von damals. „Haltet euren Club in Ehren, daß er blühe fort....“ Es gab auch Jünger, die sich um den „Wundertäter“ Joseph Weißenberg scharten, und es gab jene, die in dunkler Nacht am Waldesrand rezitierten: „... und Freya ... schnob ... grimmig... Wuut!“ Aber heute?

Nun, auch heute! Ich suchte und – fand. Ich traf in Hamburg auf einen „Vico-Torriani-Club“, einen eight-o’clock-jump-Club, einen „René-Carol-Club“, den „Bund zukünftiger berühmter deutscher Männer“, auf einen „Kreis der Finisten“. Wie Pilze schießen solche Jugendclubs aus der Erde.

„Wir haben ihn gegründet, den Zipra-Club!“, so stand es in einer Hamburger Zeitung zu lesen. Nun, Zipra heißt nichts anderes als „Ziemann-Prack“, und die Ziele dieses Clubs sind demjenigen deutlich, der weiß, daß es sich hier um die Namen von Filmschauspielern handelt. Die Club-Mitglieder tauschen Bilder und Autogramme und schreiben regelmäßig lange Briefe an „Sonja“ und „Rudolf“. Wenn die Antwort kommt – und sie kommt meist – gibt es eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit Käsekuchen und Limonade.

„... ich möchte Sie aber bitten, keinen Kult mit meiner Person zu treiben. Über private Dinge, wo Sie Bescheid wissen, brauchen andere nichts zu erfahren ... Liebe Grüße...“ So schrieb ein bekannter Filmliebling an seine 60 kleinen Verehrerinnen, die sich „Ihm“ zu Ehren organisiert haben. Mit Vorstecknadel und Monatsbeitrag.

Ich fragte im „Vico-Torriani-Club“ nach höheren Zielen. „Wir wollen Vico noch höher bringen als er ist!“, hörte ich. „Wir wollen ihn einmal im Jahr zu uns einladen, und wir glauben bestimmt, daß er kommt.“