Berlin, unternehmend wie eh und je, hat den „organisatorischen Mut“ aufgebracht, gleichzeitig mit der Konferenz der Außenminister seine „Grüne Woche“ zum traditionellen Termin (Ende Januar) anlaufen zu lassen. Es ist die 17. Veranstaltung dieser Art, und, was schwerer wiegt, die dritte der Nachkriegszeit – bei welcher Gelegenheit nun wohl festgestellt werden kann, daß dieses völlig paradox erscheinende Experiment, in einer Stadt ohne jedes „grüne Hinterland“ eine Schau agrarwirtschaftlicher Art auf die Beine zu stellen, durch den Erfolg gerechtfertigt ist. Der umfassende Charakter der Ausstellung, wie er bis 1939 bestand, blieb dabei gewahrt; mit anderen Worten: man hat es verstanden, ein schematisches „Abgleiten“ auf jene Sachgebiete zu verhindern, die das großstädtische Konsumentenpublikum besonders interessieren könnten – wie also Dinge der Ernährungswirtschaft, des Klein- und Ziergartenbaues, der Kleintierhaltung. Gewiß kommen Hausfrauen und Schrebergärtner zu ihrem Recht – aber der Blick auf das Ganze der agrarwirtschaftlichen Zusammenhänge bleibt dabei doch gewahrt. Und selbst die agrarpolitische Seite der Angelegenheit ist, diesmal wenigstens, nicht vernachlässigt worden: dafür hat schon Minister Lübke gesorgt, der unvermeidlich „dabei“ war und dessen verhalten-westfälisches Temperament bei den Berlinern – soweit sie ihn von früher her nicht bereits kannten – seinen Eindruck nicht verfehlt hat.

Es liegt in der Natur der Sache, daß eine derartige Veranstaltung, wie sie die „Grüne Woche“ im Berlin von heute darstellt, reichlich viel forshow bietet. Das wird erst dann wieder stärker zurücktreten, wenn die Stadt eines Tages nicht mehr isoliert ist, also ihr Hinterland zurückgewonnen hat, und nun das Wirtschaftliche und das Geschäftliche erneut zur vollen Geltung kommt. Darauf richtet man sich schon heute ein, um gerüstet zu sein – und dieser optimistische Zukunftsglaube rechtfertigt ja letztlich das zähe Festhalten an der Tradition der „grünen“ Ausstellung, über die Berlin die Verbindung mit den Land- und Landsleuten der sowjetischen Zone aufrechterhält. Man wird Holland, Frankreich und den USA dankbar dafür sein dürfen, daß sie durch ihre Beteiligung mit Sonderschauen der „Grünen Woche“ einen internationalen Charakter gegeben, zugleich aber die politisch; Bedeutung des „Treffpunktes Berlin“ damit stärker betont haben. Und was den Optimismus beziglich des Termins der Wiedervereinigung anbelangt, so wird in Berlin sehr viel davon gesprochen, daß ein solch geschäftskluger Mann wie Dr. Hjalmar Schacht wenige Wochen vor der Außenmin sterkonferenz ein Hausgrundstück im Grunewald erworben habe ... Vielleicht wird man später, beim Rückschauen auf das Jahr 1954, jene Anekdote aus ferner Vorkriegszeit zitieren, die schildert, wie im Kreise versierter Geschäftsleute von den lösen Krisenzeiten der neunziger Jahre gesprochen wurde, wobei dann ein bekannter Grundstücksspekulant, der lange Zeit schweigend zugehört hatte, in den Stoßseufzer ausbrach: „Damals hätte man sollen Terrains kaufen ...“ G. K.