Dd., Mainz

Mit kernigen Aussprüchen war der kleine „Staatsbesuch“ Peter Altmeiers in Düsseldorf gespickt; Altmeier, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, versicherte seinem Kollegen in Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, er sei ebenso wie Arnold davon überzeugt, daß gerade die Länder Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Westen der Bundesrepublik aus Volkstum und Geschichte einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des Staates zu leisten hätten. Und: um Deutschlands Geltung in der Welt sei es nie schlecht bestellt gewesen, wenn der vom Rhein her wehende Geist auch im übrigen Deutschland lebendig war.

Diese Erklärung Altmeiers war zweifellos weniger an die Adresse der Westfalen gerichtet, unter denen der Ruf „Los von Düsseldorf“ jedoch zur Zeit immer bedrohlicher anschwillt, sie galt vielmehr den an einer Länderreform interessierten Politikern, die die Aufteilung des 1946 durch Beschluß der Alliierten geschaffenen Rheinland-Pfalz an den Anfang dieser notwendigen Reformen setzen wollen.

Besonders im Nachbarland Hessen ist man stark an dieser Aufteilung von Altmeiers Ländchen interessiert, um die hessische „Irredenta“ Rheinhessen und West-Nassau zu erlösen. Für dieses Vorhaben hat man ein Faustpfand in der Hand: die 1945 durch die französisch-amerikanische Zonengrenze von Mainz abgetrennten rechtsrheinischen Stadtteile. Sie werden heute von Wiesbaden treuhänderisch verwaltet. Will Mainz diese seine „Irredenta“ zurückbekommen, so muß es selbst – das ist die Antwort, die Hessen Altmeier schon mehrfach gegeben hat – wieder hessisch werden. Und damit ist dem rheinisch-pfälzischen Selbstbehauptungswillen bereits in der Hauptstadt selbst, die mehr Wert auf ihre „Rechtsrheiner“ als auf ihre Hauptstadtwürde legt, das Rückgrat gebrochen.