Daß Innsbruck in der Nähe von Bad Hall eine zollfreie Zone einrichten möchte, um den internationalen Handel anzuziehen, ist ein alter Plan: schon 1951 war auf der Innsbrucker Messe ein Modell zu sehen. Unter Beteiligung des Landes Tirol, der Handelskammer, der westösterreichischen Wirtschaft und einiger Südtiroler Firmen, gründete man die Tiroler Zollfreizonen-Betriebs-GmbH., man schuf die gesetzlichen Grundlagen und man beantragte ERP-Mittel; aber dabei blieb es zunächst. Jetzt hat die Gesellschaft ihr Kapital erhöht, ein Gelände von 70 000 qm ist auf achtzig Jahre gepachtet, und im Frühjahr will man mit dem Bau beginnen – als erstes ein großes Kühlhaus (das alte wurde im Krieg zerstört, so daß Innsbruck noch immer einen Teil seiner Bestände in München und der Schweiz auslagern muß). Das sind bescheidene Anfänge, aber sie haben genügt, um München zum Handeln zu veranlassen.

Auf dem Gebiet der Münchener Großmarkthalle soll ein Zollausschlußgebiet geschaffen werden, mit Privilegien ähnlich denen der Seehäfen, und die Binnenhandelsliste soll um die Waren erweitert werden (Orangen und Zitronen vor allem), die das Hauptkontingent der Münchener Einfuhr bilden. München, das 1952 ein Einfuhrvolumen von 300 Mill. DM hatte, möchte sozusagen ein „trockener Binnenhafen“ werden und seinen Importeuren aus Süd- und Südosteuropa die gleichen Startbedingungen gewähren wie Hamburg und Bremen.

In Innsbruck sieht man einer solchen Entwicklung mit Ruhe entgegen: „Wenn München Freihafen wird“, erklärte der Präsident der Freizonengesellschaft, Minister a. D. Dr. Guido Jakoncig, „so wird es dazu beitragen, größeren Umsatz auf die Brennerstrecke zu ziehen, und das ist auch zu unserem Vorteil.“ Die Frage ist, ob das allgemeine Interesse der volkswirtschaftlichen Rentabilität einer solchen Institution groß genug wäre, um die eingreifenden Vorrechte, wie sie bisher keine deutsche Binnenstadt genießt, zu rechtfertigen. Das ist das Problem, mit dem der Bundestag und die Bundesregierung sich jetzt befassen müssen, v. Z.