Es hätte wohl nicht erst des Zustroms von sowjetrussischem Gold bedurft, um den freien Goldpreis in die Nähe des „Pari“-Standes von 35 US-Cents je Unze zu bringen. Bereits in den Monaten, die den jetzigen („sensationellen“) Versendungen von Goldbarren aus sowjetischem Besitz vorausgegangen waren, war der nichtamtliche Goldpreis im Sinken begriffen.

Der seither erfolgte weitere Rückgang des Preises für die Ware Gold entspricht dem allgemeinen Trend der Rohstoff preise. Diejenigen, die immer noch eine Aufwertung des „amtlichen“ Goldpreises – er ist seit 1932 bindend für die Ankäufe des USA-Schatzamtes, und 35 $ je Unze ist auch der vom Weltwährungsfonds offiziell bestimmte Goldkurs – propagiert hatten, mußten ihre Hoffnungen immer mehr zurückschrauben. Die Diskussion um dieses Thema, die Anfang 1953 noch einmal aufgeflackert war, ist im Laufe des Vorjahres völlig erloschen. Die Gruppe im amerikanischen Lager, die seit jeher strikt gegen eine Aufbesserung des amtlichen Goldpreises gewesen ist, hat sich durchgesetzt – sehr zum Leidwesen Londons und des gesamten Commonwealth.

Das Abbröckeln des freien Goldkurses ist weiterhin eine Folge der rückläufigen Goldhortung. Wie die BIZ in ihrem letzten Bericht bemerkte, ist diese Erscheinung einmal auf das wachsende Vertrauen in die Währungen einer Anzahl von Ländern zurückzuführen (so vor allem im Falle Frankreichs), und sodann auf den zunehmenden Rückgang der Kaufkraft in den Rohstoffländern, in denen Gold als Mittel der Reichtumsbildung traditionell eine wichtige Rolle spielt. In diesem Zusammenhang darf nicht übersehen werden, daß infolge der Einbeziehung Chinas in den kommunistischen Block der früher sehr umfangreiche Golderwerb privater chinesischer Käufer nach dem Erlaß strenger Verbote zum Verschwinden gebracht worden ist.

Ebenso wie die UdSSR überallhin frei und offen ihre übrigen hochwertigen Metalle – wie Silber, Platin und Wolfram – verkauft, hat sie sich in den letzten Monaten nun veranlaßt gesehen, gewisse Mengen an Gold, und zwar durch Vermittlung westeuropäischer Bankhäuser, abzustoßen. Es handelt sich um etwa 70–75 t im Werte von 350 bis 375 Mill. DM. Das sind eigentlich keine bedeutenden Mengen, also auch keine übermäßig hohen Werte. Vergleichsweise sei erwähnt, daß die offiziellen Goldvorräte der USA sich auf 23 000 t belaufen. Trotzdem hat um diese Goldverkäufe ein internationales Rätselraten eingesetzt, weil nun einmal alles, was aus dem Osten kommt, geheimnisumwittert zu sein scheint. Offenbar wird hier recht simplen Vorgängen zu viel Ehre angetan. Wenn die Manager der Sowjetwirtschaft jetzt zu Goldabgaben schreiten, so hat ihr Vorgehen seine Erklärung wahrscheinlich zunächst schon in der Überlegung, daß heute, seit die Goldbaisse evident ist, ein längeres Zurückhalten von Vorräten keinen Sinn mehr hat. Insofern verhält sich Moskau ebenso wie die privaten französischen „Goldhamster“, die ihre Horte jetzt ebenfalls, wenigstens teilweise, an den Mann zu bringen versuchen. Sodann braucht die UdSSR aus eigenen wirtschaftlichen Zielsetzungen heraus freie Devisen, um im Sinne des „Neuen Kurses“ in der übrigen Welt Nahrungsmittel, Rohstoffe und nicht zuletzt Konsumwaren zu erstehen – und diese Devisen kann man auch gegen Goldhingabe erwerben. H. K.