Mit seiner großen HV-Rede war der AR-Vorsitzer der Gußstahlwerk Bochumer Verein A G, Bochum, Dr. Heinrich Deist, wieder einmal mitten in seinem eigentlichen Element. In Zusammenfassung einer vieljährigen, trostlosen und letztendlich erfreulichen Entwicklung konnte Dr. Deist erklären: „Es ist unter Aufwendung aller Kräfte ein gesundes Fundament für die wirtschaftliche Zukunft des BV gelegt“. Herausgerissen aus dem großen Verbund der Vereinigten Stahlwerke, durch Kriegsschäden und Demontagen an den Anlagen in einer Größenordnung von über 360 Mill. DM betroffen, war es für AR und Vorstand nicht leicht, in den Jahren des Entflechtungsdurcheinanders gesunde Grundlagen zu schaffen. Hinzu kam, daß, wie Dr. Deist formulierte, „die Aufbringung der finanziellen Mittel ein Ausmaß erreichte, das mit den althergebrachten normalen Finanzierungsvorstellungen nicht ganz vereinbar war“.

So mußte der BV ausvielen Finanztöpfen naschen, bis es, gelang, die modernste und leistungsfähigste europäische Block- und Knüppelstraße für Qualitäts- und Edelstahl- auf die Beine zu stellen. Bei dieser Straße ist der Aufwand an Arbeitsstunden für gewalztes Halbzeug um 50 v. H. verringert worden. 168 Mill. DM wurden seit der Währungsreform für den Wiederaufbau ausgegeben, davon 37,4 im Geschäftsjahr 1951/52 und 73,4 Mill. in 1952/53. Ein verhältnismäßig bescheidener Rest steht noch offen.

Deist erklärte, daß mit den Baumaßnahmen die entscheidenden Engpässe im Produktionsfluß beseitigt seien und die Zukunftsaufgabe des BV in einer ständigen Steigerung der Qualität seiner Erzeugnisse liege. Die Mittel für die weiteren Bauten glaubt Deist aus der eigenen Ertragskraft des BV erwirtschaften zu können.

Diese Prognose trifft in eine wieder aufwärtssteigende Rohstahlerzeugung, die beim Bochumer Verein den Vorrats-Höchststand von Januar 1953 mit knapp 80 000 t erreicht hat. Auftrags- und Absatzlage hätten sich inzwischen beträchtlich gebessert, die Verwaltung sehe mit Zuversicht in die Zukunft, müsse allerdings einschränkend bemerken, daß die sinkende Preistendenz im Stahlbereich einige Sorge bereite und das Ausmaß des Preisdrucks kaum den realen Tatsachen entspreche.

Endlich wurde auch einmal ein freundliches Wort über die Investitionshilfe gesagt. Dr. Deist nannte diese Kreditaktion ein Beispiel dafür, wie eine richtig angefaßte Initialzündung nicht nur das empfangende Werk, sondern die gesamte Wirtschaft, insbesondere die Weiterverarbeitung, günstig beeinflußt habe Gerade dieser Kreditaktion sei es zu verdanken, daß der BV dem Verarbeitet wieder hochwertige Qualitätserzeugnisse zur Verfügung stellen könnte. Von der langfristigen Verschuldung von 76 Mill. DM entfallen beim BV 25 Mill. DM am Investitionshilfe (weitere 5 Mill. DM werden erwarten, 21 Mill auf Remontage- und sonstige Landes-Kredite und 17 Mill. auf ECA-Kredite.

Das Unternehmen legte ihrer oHV die Bilanz für das erste Geschäftsjahr nach der Entflechtung aus dem Stahlverein vor (1. November 1951 bis 30. September 1952). Es basiert noch auf einem vorläufigen AK von 25 Mill. DM. In der konsolidierten Bilanz, die mit einem Verlust von 8,9 Mill. DM schließt, kommen die außerordentlichen Wiederaufbauleistungen des Unternehmens erst teilweise zum Ausdruck. Das Anlagevermögen erscheint nach Zugängen von 35,6 und Abschreibungen von 21,7 mit 208,3 (194,7) Mill. DM. Vorräte betragen 88,05, Forderungen 50,4, flüssige Mittel 8,87, zusammen 147,3 Mill., andererseits Verbindlichkeiten 111,6, davon langfristig 34,4 bei 67 Mill. Pensionsrückstellungen, 13,5 sonstigen Wertberichtigungen und 142 Mill. Abrechnungsposten aus Neuordnung. Das AK ist inzwischen auf 69 Mill DM erhöht, bleibt aber auch für 1952 / 53 dividendenlos. Im Jahresbericht wird erfreulicherweise der Jahresumsatz für 1951/52 mit 339,79 Mill. und für 1952/53 mit 420 Mill. DM angegeben. Die Gesellschaft hat in den letzten Jahren mit einem Kostenaufwand von 80 Mill. DM ein völlig neuartiges Walzwerk errichtet, das zur Zeit als das modernste Mehrzweckwalzwerk Europas bezeichnet werden darf. Der Bochumer Verein verfügt über ein ausgesprochenes Qualitäts- und Edelstahlprogramm und nimmt mit einem beachtlichen Teil seiner Erzeugnisse eine Sonderstellung unter den Hüttenwerken an Rhein und Ruhr ein. Das neue Mehrzweckwalzwerk arbeitet auf einer zur Zeit voll ausgefahrenen eigenen Rohstahlkapazität von monatlich 80 000 t Die neuen Blockstraßen leisten 60 000 bis 70 000 Monatstonnen, die Halbzeugstraße etwa 30 000 t monatlich. W. – O. R.

Der oHV der Hochofenwerk Lübeck Aktiengesellschaft wurden u. a. die RM-Schlußbilanz, die DM-EB und die Abschlüsse für die folgenden Geschäftsjahre bis 1951/52 vorgelegt. Die DM-EB wurde festgestellt und das Grundkapital von 16 Mill. DM im Verhältnis 1:1 auf 16 Mill. DM neu festgesetzt. Eine gesetzliche Rücklage von 6,8 Mill. DM und eine freie Rücklage von 3,652 Mill. DM sind gebildet worden. Es werden von der Gesellschaft neue auf DM lautende Aktienurkunden ausgegeben. Das Geschäftsjahr 1951/52 schließt mit. einem Bilanzgewinn von 823 549,15 DM ab. Die HV beschloß, für das Geschäftsjahr 1951/52 eine Dividende von 4 v. H. zu verteilen und den Rest auf neue Rechnung vorzutragen. Ferner beschloß die HV, den Firmennamen in „Metallhüttenwerke Lübeck Aktiengesellschaft“ umzuändern, da der alte Firmenname dem heutigen Fabrikationsprogramm des Unternehmens nicht mehr gerecht wird. Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen ist das Amt der bisherigen All-Mitglieder mit Beendigung der HV erloschen. Der neue AR besteht aus Dr. Friedrich Flick, Vorsitzer, Dr. Heinrich Dinkelbach, Dir. Otto-Ernst Flick, Dr. Renzo Giulini, Dir. Konrad Kaletsch, Bürgermeister Otto Passarge, Ministerialdirektor Fritz Sureth, Dir. Georg Vieth sowie von der Arbeitnehmerseite aus Ernst Bartels, Dir. Bruno Diekmann, Albert Krüger und Bruno Paulsen. Dem Vorstand gehören Alfred Rohde, Vors., Walther Herold, Emil Kraft und Dipl.-Ing. Alfred Reckmann an.