In Bonn begannen deutsch-indische Verhandlungen über ein neues Handelsabkommen, das für die Zeit vom 1. Februar 1954 bis zum 31. Januar 1955 Gültigkeit haben soll. Bisher war eine verstärkte Lieferung deutscher Konsumgüter noch nicht möglich; man verspricht sich jedoch von der Einschaltung deutscher Firmen beim indischen Industrialisierungsprogramm einen weiteren Aufschwung für den deutsch-indischen Handel.

Kharagpur, Ende Januar

Die indische Handelsbilanz ist einigermaßen ausgeglichen. Westdeutschland allerdings führt z. Z. mehr nach Indien aus als von dort ein. Daher sollte vor allem jede Möglichkeit gefördert werden, die reichen Rohstoffe und Naturprodukte Indiens zu erschließen und nach Deutschland einzuführen. Deutsche Fachleute können viel mithelfen, die technischen Erfordernisse dafür zu klären. „The trade follows the engineer“ sagt man heute in England; das sollte auch bei uns zum Schlagwort werden ...

Dieser Erschließungsaufgabe widmen sich in Indien neben einzelnen privaten Experten hauptsächlich die deutschen Großfirmen durch ihre Vertretungen. Die Einfuhr von Kapitalgütern aus Deutschland ist dank ihrer Tätigkeit in letzter Zeit stark gestiegen. Wesentlich schwieriger ist der Export von Verbrauchsgütern. Meist sind es unsere mittleren und kleineren Firmen, die solche Güter herstellen und ausführen möchten. Für sie lohnt sich eine eigene Vertretung in Indien aber nur selten. Der deutsche Exporteur von Massenartikeln muß also eine geeignete indische Vertreterfirma finden, gleichzeitig aber auch gut über den Markt und die indische Einfuhrpolitik orientiert sein. Hierzu sollte man die Wirtschaftsabteilungen unserer Konsulate weiter ausbauen und darüber hinaus die praktischen Erfahrungen der in Indien verstreut lebenden Deutschen nutzbar machen.

An sich besteht hier durchaus ein Bedarf für ausländische Verbrauchsgüter. Schon die Erlangung einer Importlizenz ist aber oft schwierig. Für den Außenstehenden ist die indische Importpolitik nicht immer leicht verständlich. So ist z. B. die Einfuhr von Schrauben und landwirtschaftlichen Geräten gedrosselt; dagegen wurde kürzlich die von Betelnüssen, Perlen und Taschenlampen erweitert.

Wie liegen nun die Verhältnisse beim indischen Verbraucher? Der Inder lebt noch einfach, ißt mit der Hand, mehr oder weniger vegetarisch, trinkt meist Wasser, benutzt primitive Werkzeuge, kurz, begnügt sich nach Gandhis Vorbild im wesentlichen mit dem, was das Land selbst bietet. Aber der Vorgang der Bedarfsweckung für moderne Verbrauchsgüter beginnt schon anzulaufen. Man sieht bereits viele Leute mit Armbanduhren (wasserdichte!). Radioapparate werden durchaus Mode (allerdings müssen es tropenfeste sein). Fahrräder werden „modern“ (englische und italienische werden langsam von indischen verdrängt). Aber gute Bedarfsware muß gezeigt werden, und da liegt noch viel im argen.

Noch nie habe ich hier eine Sense gesehen. Ihre Vorführung müßte eine „Sens“-aktion sein, denn hier haut man das Gras noch mit stumpfen Flacheisen ab und schneidet Korn und Reis mit der Sichel. Werkzeuge und Instrumente sind überhaupt ein Problem. Der technisch noch unentwickelte Inder hat nämlich oft das merkwürdige Talent, unversehens alles entzwei zu bekommen. Nach dem berühmten Vorbild des unzerreißbaren Bilderbuches müßte man ihm unverwüstliche Waren anbieten; stark, einfach und – rostfrei.