Das Bauprojekt der Rhein-Main-Donau-Großschiffahrtsstraße ist gefährdet. Nachdem die RMD-Gesellschaft im vergangenen Jahr statt der jährlich vorgesehenen 12 Mill. DM Bundesmittel nur 10 Mill. DM erhalten hatte, soll der Betrag für 1954 gar auf 5 Mill. DM gekürzt werden. Dies bedeutet nicht nur Arbeit mit halber Kraft und Halbierung der Leistungen des Landes Bayern, sondern auch Erhöhung unproduktiver Zahlungen durch notwendig werdende Stillegungen (Arbeitslosenfürsorge, Unterstützungszahlungen). Deshalb fragt es sich, ob solche Einsparungen des Bundes nicht infolge der durch die Kürzung eingetretenen Schäden „wettgemacht“ werden. Jedenfalls würde die Sanktionierung dieser Regelung die strukturellen Nachteile Bayerns und seine ungünstige Wettbewerbslage infolge der Revierferne nicht nur unterstreichen, sondern bewußt forcieren.

Als Zweites kommt hinzu, daß die Hauptverwaltung der Bundesbahn in diesen Tagen die Einstellung aller Kanalbauten forderte. Dazu weist der Deutsche Kanal- und Schiffahrtsverein Rhein-Main-Donau mit Recht darauf hin, daß die schwierige finanzielle Lage der Bundesbahn in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Kanalisierung des Mains und dem Ausbau der Donau stehe. Der Ausbau der Großschiffahrtsstraße sei nach vorhergehender Prüfung ihrer Wirtschaftlichkeit durch Staatsverträge festgelegt, die nicht einseitig gekündigt werden könnten. Als hervorragender Rationalisierungsfaktor des gesamten Verkehrs habe die Großschiffahrtsstraße im Gebiet der fertiggestellten Teilstrecken die Wirtschaft erheblich belebt; sie sei in erster Linie für die Konkurrenzfähigkeit der in den Frachten stark benachteiligten bayerischen Wirtschaft von Bedeutung. Zu dem Vorwurf, ein weiterer Ausbau künstlicher Wasserstraßen stelle in Anbetracht der nicht ausgeschöpften Kapazität der Bahn eine Fehlinvestition dar, stellt der Zentralausschuß der deutschen Binnenschiffahrt fest: man müsse doch wohl gerade dann von einer Fehlinvestition sprechen, wenn geprüfte, von den politischen Instanzen genehmigte und schon begonnene Kanalbauten vor ihrer Fertigstellung unterbrochen werden würden! t. r.