N-s, Lübeck

In Lübeck wird es in diesem Jahr keinen „nordischen Karneval“ geben. Der Festzug fällt aus. Ein offizielles „Narrentreiben“ gibt es nicht mehr. Narreteien sind teuer, und es scheiterte an den Unkosten. Die „Karnevalisten“ wollten Organisation und Arbeit machen, aber zuzahlen wollten sie nicht. Die Geschäftswelt verhielt sich abwartend und wollte ein eventuelles Defizit der offiziellen Veranstaltungen nicht übernehmen. So hört man denn auch in Lübeck die „tollen Tage“ lieber im Radio vom Rhein herüberschallen, wo sie es auch besser können. Es hat sich wieder mal gezeigt, daß die Bräuche wachsen müssen und daß sie sich nicht verpflanzen lassen. In den ersten Jahren nach der Währungsreform brausten am Rosenmontag -zig Sonderzüge von allüberallher aus dem Land in die „Karnevals-Metropole des Nordens“, um mitzufeiern. Aber die wahre Liebe war es dennoch nicht. Die Formen imitierte man, aber der Inhalt fehlte. Aus der Propagandamaschine, die anfangs auf hohen Touren lief, brach ein Zahnrad nach dem anderen heraus. Man distanzierte sich – teils dieserhalb, teils außerdem. Die Behörden waren willig, und der „Prinz Karneval“ konnte die Stadtschlüssel in jeder gewünschten Größe und Ausführung sich übereignen lassen. Es hat alles nichts genützt: „In Lübeck findet der nordische Karneval“ nicht statt.