Es ist Tradition, daß der Generaldirektor der Gutehoffnungshütte, Dr. Hermann Reusch, bemerkenswerte wirtschaftspolitische Ausführungen bei Vorlage der Jahresbilanzen macht. Die GHH-Gruppe, deren Spitze nach der Entflechtung Holding-Unternehmen von 16 Tochtergesellschaften und Beteiligungen der Weiterverarbeitung, des Maschinenbaues und des Handels ist, verfügt über einen Jahresumsatz von mehr als 1,5 Mrd. DM und zählt etwa 53 000 Arbeiter und Angestellte. Aus der Sicht dieses Großunternehmens haben die Reusch-Erklärungen stets Gewicht. – So war diesmal zu hören, daß die zusätzlichen Kosten aus der Entflechtungsdiktatur allein bei der Gutehoffnungshütte rechnerisch jährlich in die Millionen gingen. Abgesehen davon hätte der Zerbruch der großen Verbundwirtschaft an Rhein und Ruhr erhebliche produktioneile Schwierigkeiten ergeben. „Schon heute besteht Einmütigkeit in der Auffassung, daß Kohle und Stahl wieder miteinander verbunden werden müssen. Das in letzter Zeit von Frankreich gegebene Vorbild, große Montanunternehmen zu gründen, darf in Deutschland durchaus beruhigend angesehen werden.“ Dr. Reusch erklärte weiterhin, daß die Zustimmung der Hohen Behörde für neue deutsche Zusammenschlüsse nach der Genehmigung der französischen Zusammenschlüsse kaum verweigert werden könnte. Zum Eisenpreis meinte Dr. Reusch bemerkenswerterweise im Zusammenhang mit den zwar noch nicht vorhandenen, aber in gewissem Umfange schon sichtbaren Auftragsschwierigkeiten der Werften, daß eine Eisenpreissenkung zur Belebung der Schiffbautätigkeit „keine wesentliche Erleichterung“ bringen würde. rlt.