Englands neue Strategie

Nachdem die amerikanische Regierung Mitte Januar die Bildung einer strategischen Einsatzreserve in den Vereinigten Staaten beschlossen hatte, um im Falle einer russischen Aggression an jedem Punkt der Erde sofort einen Gegenschlag führen zu können, hat sich nunmehr auch die britische Regierung entschlossen, ihre Verteidigungsmaßnahmen durch Schaffung einer zentralen Eingreifreserve den Erfordernissen einer globalen Kriegführung anzupassen.

Die Gefahren, denen die britischen Inseln in einen neuen Weltkrieg ausgesetzt sein würden, hat Präsident Eisenhower in seiner Atomplanrede vor der UNO-Vollversammlung geschildert. Er hatte angeführt, daß „ein einziges Luftgeschwader jetzt über irgendeinem erreichbaren Ziel eine Bombenlast abwerfen könne, deren zerstörende Kraft größer ist als diejenige aller über England während des zweiten Weltkrieges abgeworfenen Bomben“.

Da Englands Stärke in seiner Stellung als führende Macht des erdumspannenden Commonwealth liegt, wird es ein Verteidigungssystem aufbauen müssen, das eine strategische Zentralisation auf den britischen Inseln mit schlagkräftigen Streitkräften an den wichtigsten Punkten des Commonwealth kombiniert.

Celal Bayars vier Gebote

Der siebzigjährige türkische Staatspräsident Celal Bayar ist in Begleitung von hohen Offizieren, und Diplomaten am 26. Jannuar auf Einladung Präsident Eisenhowers zu einem Staatsbesuch in den /Vereinigten Staaten eingetroffen. Bei dem Empfang im Weißen Haus überreichte Präsident Eisenhower dem türkischen Gast für seine Verdienste um die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten die höchste Auszeichnung, die die amerikanische Regierung in Friedenszeiten an Ausländer verleihen kann. In seinem Trinkspruch rühmte Präsident Eisenhower die Tapferkeit der türkischen Korea-Kämpfer und erklärte, „wenn die freie Welt in ihrer Gesamtheit in so enger Freundschaft zusammengeschlossen werden könne, wie sie zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei bestehe, dann werde kein Grund mehr vorhanden sein, die Völker hinter dem Eisernen Vorhang zu fürchten.“ Auf einer Pressekonferenz faßte Präsident Bayar die Forderungen, die die Völker der freien Welt im Hinblick auf die bestehende „globale Gefahr“ erfüllen müßten, in folgende vier Gebote zusammen: Erstens: Wir wollen uns nicht in ein Gefühl unechter Sicherheit einlullen und zu einem Nachlassen der Verteidigungsbestrebungen durch bloße Worte und leere Gesten der Macht, die uns bedroht, verführen lassen. Zweitens: Wir wollen nicht von unserem Kurs abweichen, indem wir mit einem Angriff drohen. Drittens: Wir wollen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Hilfe solcher Länder zu gewinnen, die entschlossen sind, ihre Freiheit und ihre Grenzen zu verteidigen, und versuchen, sie zu einem Eintritt in bestehende Verteidigungsorganisationen zu bewegen. Viertens: Wir wollen nach einer absoluten Einigkeit im Handeln und in der Politik der Freien Welt streben, törichte Verärgerungen vermeiden und selbstsüchtige Interessen ausschalten, die nur den Blick für die tödliche Gefahr trüben.

Mittelost-Pakt