Wer geht zum Vatikan?

Die dem Vatikan gegenüber schon fast unhöfliche Verzögerung der Entsendung eines deutschen Botschafters dürfte in Kürze beendet werden. Die katholische Wochenzeitung „Michael“ berichtete von einer Verständigung der beiden Konfessionen untereinander, nach welcher der erste Botschafter zwar wieder – wie bisher – ein Protestant, der nächste aber ein Katholik sein solle. Diese Verständigung sei durch die Forderung von liberaler Seite gestört worden, es müsse an der „deutschen Tradition“ festgehalten werden, nach der grundsätzlich ein Protestant Botschafter beim Vatikan zu sein habe. Im offiziellen Bonn hüllt man sich in Schweigen. Bei der FDP hört man, jener Vorstoß ihres parteioffiziösen Organs sei aus gutem und akutem Grund erfolgt. Aus evangelischen Kreisen lägen Informationen vor, daß doch ein Katholik als erster Botschafter zum Vatikan gehen soll. Die Entsendung eines Protestanten würde die Bayern, so wird behauptet, in ihrer Absicht bestärken, einen eigenen Gesandten zum Vatikan zu entsenden.

Spitzel ohne Auftrag

Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln hat nach einer Erklärung des hessischen FDP-Landesvorsitzenden Euler mitgeteilt, daß es niemals den Auftrag gegeben habe, den hessischen Landrat X. – der Name wird aus naheliegenden Rücksichten verschwiegen – durch seinen Untergebenen, einen Gendarmeriekommissar, bespitzeln zu lassen. Euler ist aber im Besitz eines schriftlichen Auftrages vom hessischen Landesamt für Verfassungsschutz an den betreffenden Gendarmeriebeamten, Ermittlungen über jenen Landrat anzustellen. Die hessische Staatskanzlei hatte am 11. Januar erklärt, jene Ermittlungen seien im Auftrage des Bundesverfassungsschutzamts erfolgt und seien im Zusammenhang mit Bewerbungen um eine Einstellung bei Bundesbehörden üblich. Dazu stellte Euler fest: „Die Darstellung der hessischen Staatskanzlei hat sich als unwahr erwiesen; überdies ist auch in dem Auftrag an das Gendarmeriekommissariat keinerlei Hinweis auf eine Anfrage oder ein Ersuchen des Bundesverfassungsschutzes enthalten.“

Das Dilemma

Dr. Mix, Wiesbadens Oberbürgermeister von 1937–1939, ist am 28. Januar mit 37 von 57 Stimmen bei 20 Enthaltungen zum Oberbürgermeister auf sechs Jahre gewählt worden. Der Neuwahl war ein monatelanges, dramatisches Ringen vorausgegangen. Der von der FDP als der stärksten Stadtverordnetenfraktion vorgeschlagene Dr. Mix war von SPD und CDU als „politisch belastet“ abgelehnt worden. Daraufhin hatte sich die FDP entschlossen, ihren Kandidaten zurückzuziehen und Dr. Callies zu benennen, mit dem sich die beiden anderen Parteien einverstanden erklärten. 48 Stunden vor der Wahl widerrief die CDU ihr Einverständnis, da ihr bekanntgeworden sei, daß Dr. Callies 1937 aus der Kirche aus- und bisher nicht wieder eingetreten sei. Dann wolle sie lieber ihre Bedenken gegen Mix fällen lassen.

Hans vom Hoff gewann