Die Zinnproduzenten in Übersee haben keine allzu rosigen Zukunftschancen. Im Zuge der amerikanischen Mengenanforderungen zwecks Auffüllung strategischer Lager wurden nach 1945 die Produktionskapazitäten in den Haupterzeugungsgebieten Belgisch-Kongo, Bolivien, Indonesien, Malaya und Nigeria erheblich ausgedehnt, so daß zur Zeit bei etwa 130 000 bis 135 000 t zivilen Jahresverbrauchs 170 000 t hergestellt werden. Die Differenz geht in die strategischen Lager, aber nur noch für kurze Zeit. Die Erzeuger stehen also vor der Frage: Einschränkung der Produktion oder Ausweitung des Absatzes in neue Gebiete. Dieses Bild ergab sich auf einer Pressekonferenz, die das in der Bundesrepublik neueröffnete Zinn-Informationsbüro als Außenstelle des Tin Research Institute (Greenford, England) abhielt.

Die Zinnerzeuger der Welt hatten sich 1932 zum International Tin Research Council zusammengeschlossen und eine Art Forschungsinstitut gebildet, dessen Aufgabe es ist, die technischen Verfahren in der Zinn Verarbeitung zu verbessern, Erfahrungen den Verarbeitern kostenlos zur Verfügung zu stellen und so absatzfördernd zu wirken. Mehr als 20 Jahre hat es immerhin gedauert, bis das etwa 7000 t Zinn im Jahr verbrauchende Deutschland für wichtig genug angesehen wurde, zu diesem internationalen Erfahrungsaustausch zugelassen zu werden. Nach Kriegsende wurden solche Büros in Frankreich, Holland, Schweden, Belgien und Italien errichtet. Daraus darf geschlossen werden, daß der Zinn-Schuh irgendwo erheblich drückt...

Seit 1950 ist (ohne UdSSR) der Welt-Zinnverbrauch ständig rückläufig. Er betrug damals 152 000 t, 1952 nur noch 130 000 t und 1935 rund 135 000 t. Der Anteil des Zinns am Weltverbrauch der Nichteisenmetalle, der 1900 noch 4 v. H. betrug, geht ebenfalls weiter zurück. Im Vordergrund stehen (1952) Kupfer mit einem Anteil am Weltverbrauch der Nichteisenmetalle von 35,2 v. H., Aluminium mit 21,2, Zink mit 20,7 und Blei mit 18,6 v. H. Die Ausbreitung der Zinnerfahrungen über die angelsächsischen Länder hinaus liegt also ganz offensichtlich im Interesse der Übersee-Erzeuger. Aber auch auf seiten der deutschen Weiterverarbeitung wird der Anschluß an den internationalen Beratungsdienst mit Freude aufgegriffen, da Zinn ein sehr wichtiger Bestandteil zahlreicher Metallfertigungen ist.

Nachdem es bereits Beratungsstellen für Kupfer in Berlin, für Blei in Braunschweig, für Nickel in Frankfurt und für Aluminium, Zink und Metalle zweiter Schmelzung in Düsseldorf gibt, ist nun das Zinn-Informationsbüro, ebenfalls in Düsseldorf, neu hinzugekommen. Es wird sicherlich dazu beitragen können, Mängel bei der Verarbeitung aufzudecken, zu beheben und vielleicht auch den Absatz zu steigern.

Dazu noch ein Wort zur deutschen Zinnproduktion. Sie erfolgt nicht aus eigenen Bergwerken, sondern aus der Verhüttung von Zinnerzen, Verarbeitung von Abbränden oder auf dem Wege der Rückgewinnung aus Weißblech-Schrott und ähnlichem. Die deutsche Zinnerzeugung dieser Art stellte sich 1952 auf 1442 t Reinzinn. Rlt.