Seit fast zwei Jahren wird in der westdeutschen Textilwirtschaft erfolglos über die für den Textileinzelhandel besonders wichtige Konditionenfrage verhandelt. Anfang des Jahres hat der Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels einen neuen Vorstoß zur Regelung der Konditionen unternommen. Während die Bekleidungsindustrie offenbar geneigt war, den neuen Vorschlägen des Einzelhandels zuzustimmen, zeigte sich der Gesamtverband der Textilindustrie wenig zugänglich und lehnte ab. Offenbar mit dem Zweck, Gesamttextil eine denkbare und wünschenswerte Revision seines bisherigen Standpunktes zu erleichtern, haben dieser Tage neue Verhandlungen zwischen dem Bundesverband Bekleidungsindustrie, dem Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels und dem Zentralverband gewerblicher Einkaufsvereinigungen des Handels (Fachabteilung Textil) stattgefunden. Die beteiligten Verbände sind dabei übereingekommen, ihren Mitgliedern folgende Zahlungsbedingungen zu empfehlen:

„Hinsichtlich der Zahlungsziele (§ 10 der Einheitsbedingungen) gilt: Regulierung der Rechnungen innerhalb von 5 Tagen ab Rechnungsdatum mit 4 v. H., innerhalb von 10 Tagen mit 3 v. H., innerhalb von 30 Tagen mit 2 v. H. Skonto, und ein Nettoziel von 60 Tagen. Beim 2., 3. und 4. Zahlungsziel werden jeweils 5 Respekttage eingeräumt. Wechselzahlungen sollen hinsichtlich der Skontogewährung der Barzahlung gleichgestellt sein, wenn ein Akzept mit einer Laufzeit von höchstens drei Monaten angenommen wird. Diese Vereinbarung gilt ab 1. Februar 1954. Sie wird wirksam mit den Aufträgen für das Herbst- und Wintergeschäft 1954/55. Als solche gelten Lieferungen mit Rechnungsdatum ab 1. August 1954.“

Es scheint, als ob der neue Vorschlag, der offensichtlich an die Adresse des Gesamtverbandes der Textilindustrie gerichtet ist, wo zur Zeit ein vollständiges Präsidium fehlt, den Weg zu neuen Gesprächen weist, ohne daß am Ende eine ultimative Forderung steht. Es wäre in jedem Falle zu wünschen, daß die Konditionen – möglichst bald wenigstens – in etwa mit den Verhältnissen der Praxis in Einklang gebracht würden. Dü.