J. G. N.-N. Sidney, im Februar

Nach einer Woche täglicher Beratungen in der Cedar Hall des Hotels Australia haben sich die Finanzminister des britischen Commonwealth von Sydney verabschiedet und sind wieder in die dunklen Amtsgebäude ihrer in einem Drittel der Welt zerstreuten Hauptstädte zurückgekehrt. Vor ihrer Abreise haben sie ein Kommuniqué ausgearbeitet, das ein 16 Seiten langes, ziemlich wenig aussagendes Dokument darstellt. Trotz der Geheimnistuerei, die die Konferenz umhüllte und trotz dem allgemeingehaltenen Kommuniqué sind doch einige wichtige Richtlinien der zukünftigen Wirtschaftspolitik des britischen Commonwealth deutlich geworden, die auch für die Länder außerhalb des Sterlingblocks ihre nicht unwesentlichen Konsequenzen haben können.

Im Mittelpunkt dieser Konferenz stand wiederum die Diskussion über den inneren Aufbau des Commonwealth. Schon die vorangehende Konferenz der Finanzminister in London (Dezember 1952) hatte sich zum Hauptziel die Eindämmung der inneren Inflation in den einzelnen Dominions und die Konvertibilität des Sterling im Rahmen des umfassenderen multilateralen effektiven Weltsystems gesetzt. In beiden Belangen hat das britische Commonwealth als Ganzes einen bemerkenswerten Erfolg erzielt und besonders die Konvertabilität des Sterlings weitgehend verwirklicht.

In Ermangelung einer sicheren Basis für die Beurteilung der zukünftigen Haltung Amerikas haben sich die britischen Minister zur Ausarbeitung alternativer Pläne entschlossen, um das Commonwealth von den Nebeneinflüssen einer eventuellen amerikanischen Verringerung des Handelsvolumens zu bewahren und es mit seinem enormen, z. T. noch unausgeschöpften Reichtum zu stärken. Alle Dominions haben seit Kriegsende ein gewaltiges Programm von basischen Entwicklungsarbeiten in die Hand genommen, das vor allem das Transportwesen, die Elektrizitätserzeugung, die Bewässerung und Wasserspeicherung, die Landwirtschaft und den Bergbau umfaßt. Es wurde jedoch klar festgestellt, daß der Kapitalbedarf der meisten Dominions ihre eigenen finanziellen Mittel übersteigen werde und daher eine äußere Hilfe unerläßlich sei.

Eines der wichtigsten konkreten Resultate der Konferenz von Sydney war das verbindliche Versprechen einer größeren Kapitalhilfe von seiten des Mutterlandes, welches bereits zu weitverbreiteten Gerüchten über eine neue „Austerity“ in England Anlaß gab. Die Kredittransaktionen zwischen London und den Dominions wurden für 1953 als sehr enttäuschend bezeichnet, obschon sich die Londoner Konferenz 1952 für eine Vermehrung ausgesprochen hatte und eine spezielle Commonwealth Development Finance Company gegründet wurde. Es wurde geschätzt, daß die Kreditanforderung in London von Seiten der Dominions nur die Höhe von 100–120 Mill. £ erreichte, weil die Kreditangebote der übrigen Welt besonders günstig lagen. In der Tat hat die Internationale Bank 125 Mill. $ vorwiegend für Südafrika und Rhodesien zur Verfügung gestellt, während Australien in der Schweiz eine Anleihe von 6 Mill. £ tätigte und Indien mit dem deutschen Krupp-Konzern ein bedeutendes Abkommen über die Errichtung von Stahlwerken abschloß.

In Zukunft soll Großbritannien einen großen finanziellen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung der Dominions nehmen, und die englische Regierung hat sich in Sydney durch ihren Finanzminister Butler verpflichtet, den Dominions nicht nur für spezielle Projekte, sondern ganz allgemein den Zugang zum englischen Kapitalmarkt zu öffnen. Zur Bedingung stellte sie, daß sie jeweils zuerst konsultiert werden solle und die Dominions aus ihren eigenen Quellen stets auch einen proportionalen Beitrag zu leisten hätten. So wird erwartet, daß die englischen Investierungen in den Dominions in 1954 die Höhe von 200–300 Mill. £ erreichen werden.

Von den Finanzproblemen hatte sich die Aufmerksamkeit der Konferenz der Außenhandelsbilanz des Commonwealth zugewandt. In dem mit dem 30. Juni 1953 abgeschlossenen Finanzjahre hat das Sterlinggebiet in seinen Transaktionen mit der übrigen Welt einen Überschuß von mehr als 400 Mill. £ buchen können, gegenüber einem Defizit von fast 1 Mrd. £ im vorhergehenden Jahre. Infolge dieser günstigen Entwicklung sind auch die zentralen Gold- und Dollarreserven angewachsen. Die allgemein steigende Tendenz des Außenhandels wurde jedoch in der zweiten Hälfte von 1953 verlangsamt, und diese gefährliche Entwicklung hat einen weiteren entscheidenden Entschluß der Konferenz heraufbeschworen, nämlich den Export des Commonwealth als eine Einheit auf ein Maximum zu treiben. Während der Dollarüberschuß weiterhin als basische Voraussetzung bestehen bleibt, wird nun auch die Notwendigkeit eines Überschusses bei der übrigen Welt betont. Was im Kommuniqué nicht ausgedrückt wurde, was aber im Hintergrund verborgen steckt, ist die Tatsache der steigenden Konkurrenz auf den internationalen Märkten. Während das Volumen des Welthandels sich stark ausdehnt, bleibt der britische Anteil eher stationär. 1953 haben die USA und Deutschland ihr Exportvolumen um 6 v. H. und Japan um 5 v. H. erhöht, während England denselben Durchschnitt wie in 1952 auswies. Die englische Produktion ist zwar gestiegen, doch hat der einheimische Verbrauch die Produktionsgewinne ausgeglichen.