v. Z., München

Eine kleine Schlägerei zwischen dem italienischen Inhaber eines Restaurants in der geruhsamen bayerischen Kleinstadt Erding, seiner deutschen Köchin und einem Mitglied der amerikanischen Luftwaffe kam kürzlich von Judge Leo M. Goodman, den höchsten amerikanischen Richter in Bayern. „Obwohl wenig von dem, was man gegenseitig äußerte, vom andern verstanden wurde“, heißt es in seiner Urteilsbegründung, „so scheint die Angeklagte Petersen doch jedenfalls die rechte Bedeutung wenigstens eines vom Sergeanten Allen gebrauchten angelsächsischen Ausdrucks begriffen zu haben. Sie faßte ihn ganz richtig als eine Beleidigung ihrer Ehre und ihrer Tugend auf. Sie reagierte, wie zu erwarten, indem sie Sergeant Allen eine Ohrfeige gab. Das tat sie dreimal... Sie schlug ihn auf den Kopf, biß ihn in die Augenbraue und, den Geschmack seines Blutes im Mund, zerkratzte sie ihm das Gesicht... In grauer Vorzeit, als Rittertum und Ritterlichkeit blühten, verteidigten der Handschuh, der Degen und das Schwert des Adels die frauliche Ehre. Aber heutigentags, im Zeitalter der Atome und des wissenschaftlichen Fortschritts, ist die Zuflucht zu solchen Waffen unmodern und ungesetzlich geworden. Die volkstümlich anerkannte Methode ist der Schlag ins Gesicht durch das Edelfräulein und der plebejische Gebrauch der Fäuste durch den Kavalier. Aber selbst dieses findet seine Grenze im Gesetz und der gegebenen Notwendigkeit. Geht die angewendete Gewalt über das Maß hinaus, das vernünftigerweise erforderlich erscheint, um die Beleidigung zu beenden oder zu verhindern, so wird die Handlung strafbar. Artikel 3 und 171 des Grundgesetzes gaben dem schwächeren Geschlecht in Deutschland die Gleichberechtigung mit dem Manne nicht nur tatsächlich, was schon immer der Fall war, sondern auch nach dem Gesetz. Es ist jedoch die Auffassung dieses Gerichtes, daß nichts im Grundgesetz das schwächere Geschlecht ermächtigen würde, die neuen Vorrechte vi et dentibus auszuüben... Das Gericht verurteilt die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 200 DM.“

Der Aachener Karnevalsverein hat Judge Leo M. Goodman für den 14. Februar nach Aachen eingeladen, um ihm den diesjährigen Orden für „Verdienste gegen den tierischen Ernst bei Behörden“ zu verleihen.